Gastein, Österreich 

Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden

4. November 2017

„Ich muss mal wieder Kraft tanken…“ Wenn der Stress den Alltag beherrscht, fordert der Körper irgendwann eine Pause ein. Aber wie genau funktioniert das? Wo bitteschön ist denn diese „Kraft-Tankstelle“, die auf Knopfdruck die Energiereserven auffüllt?
Eine Recherchereise – zu mir selbst.

Die Spur führt nach Gastein. Hier haben Henryk und ich schon so manche Challenge gemeistert, den Bergteufel sommers wie winters bezwungen. Zugegeben, mehr Action als Entspannung. Dabei ist das Tal vor der traumhaften Bergkulisse des Nationalparks Hohe Tauern mit seinen Dörfern Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein nicht nur ein Mekka für Freizeitsportler. Es ist auch ein Ort der Heilung. Die historischen Kurstätten mit ihren Quellen und Stollen sind seit vielen Jahren Anlaufstelle für Menschen mit physischen Leiden.

Uns treiben nicht körperliche Zipperlein hierher. Wenn der gestresste Großstädter auftanken will, sehnt er sich vielmehr nach seelischen Streicheleinheiten. Nach einer Umgebung, die Kraft spendet, nach einem Platz, an dem der innere Seelenvogel wieder frei fliegen kann. Auch das ist das Gasteinertal… wenn man sich auf diese besondere Reise einlässt!

Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden

Alles ist schwer, bevor es leichter wird…

Stichwort „darauf einlassen“: Wir beginnen unsere Suche nach innerer Balance am frühen Morgen beim Yoga mit Malu und Anna Kathalina! Während ich daheim in Berlin zumindest ab und an zur Pilates Stunde pilgere, ist Henryk bekanntermaßen alles andere als gelenkig und Yoga-affin. Aber er bringt andere gute Grundvoraussetzungen mit: Offenheit für Neues und Lust auf sportliche Herausforderungen. Als er dann auch noch hört, dass die anstehende Session auf einem Surfbrett stattfinden soll, ist sein Interesse endgültig geweckt. Im Außenbecken der Gasteiner Alpentherme finden wir uns kurz darauf auf wackeligen SUPs kniend wieder – und müssen bald erkennen, dass es gar nicht so einfach ist, auf dem Wasser ins Gleichgewicht zu kommen. Aber mit ein wenig Geduld, Beharrlichkeit und Konzentration kommen wir dann doch noch in den Flow. Und plötzlich entfaltet die Verbindung von Wasser, dem bewussten „Arbeiten“ mit dem eigenen Körper und den Geräuschen und Gerüchen der Natur um uns herum ihre volle Wirkung.

Ich liege mit geschlossenen Augen auf dem Bord und fühle, wie ich beginne, innerlich loszulassen. Was mich anfangs vor allem Kraft gekostet hat, gibt mir mit einem Mal ganz viel zurück. Der Tankstutzen ist angedockt und neue Energie fließt durch mich hindurch. Ich schwebe. Ein schöner Start in den Tag.

Kraftort Berg

Später brechen Henryk und ich auf nach Nassfeld am Ende des Gasteinertals. Der Ort wird auch Sportgastein genannt und ist im Winter vor allem Anlaufstelle für Skifahrer und ambitionierte Tourengeher. Im Sommer laden unzählige Kilometer Wanderwege zu ausgedehnten Ausflügen ein. Jetzt im Herbst ist kaum jemand unterwegs. Abgeschieden, still und einsam öffnet sich der Talkessel vor uns, eingerahmt von schneebedeckten Gipfeln.

Wir sind verabredet mit Hans Naglmayr. Er ist Nationalpark Ranger und hat beinahe sein gesamtes Leben im Gasteinertal verbracht. Gemeinsam brechen wir auf zu den auf rund 2.000 Metern gelegenen oberen Bockhartseen, vorbei an einem ehemaligen Bergbaugebiet. Eine großartige Wanderung.

Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
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Unterwegs sprechen wir mit Hans darüber, wie wertvoll es ist, in der Natur unterwegs zu sein. Mit Yoga hat er nichts am Hut. Neben der Musik sind vor allem die Berge seine große Leidenschaft. „Das hier, das ist mein Kraftort“ erklärt er uns. Ich kann ihn gut verstehen. Hans liebt „sein Tal“. Immer wieder spricht er davon, wie wichtig es ist, achtsam mit der Natur umzugehen. Er sagt es und sammelt dabei Müll ein, den gedankenlose Besucher am Wegesrand haben liegen lassen.

Und mit einem Mal wird mir bewusst, dass diese Umgebung etwas mit uns Menschen macht: sie öffnet und stärkt uns. Nirgendwo sonst als unterwegs in den Bergen führe ich so ehrliche Gespräche – über das Leben, über Träume, über Freiheit, Glück und Demut… Als wir weiterwandern fühle mich völlig frei und gelöst!

Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
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Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
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Nur fliegen ist schöner…

Wer abschalten will, muss loslassen können. Zurück in Bad Gastein lassen wir los – und begeben uns in die Luft. Flying Waters nennt sich der Spaß an einem dünnen Stahlseil, das einmal quer über das Dorf gespannt wurde. Wieder ist es Henryk, der sich deutlich mehr überwinden muss als ich, wobei er seine Höhenangst unterwegs auf Reisen nun schon so häufig abgeschüttelt hat, dass dies nun wirklich keine Hürde mehr sein sollte. Trotzdem lässt er mir den Vortritt. Ich werde also fachkundig gesichert, trete auf die Plattform, breite die Arme aus – und lasse mich fallen.

Und dann schwebe ich über die Dächer, vorbei am Wasserfall auf die andere Seite von Bad Gastein. Es rauscht in meinen Ohren, ich spüre den Wind auf meiner Haut, das Kribbeln in meinem Körper. Ein Grinsen breitet sich in meinem Gesicht aus. Ich fühle mich wie ein Kind. Noch mal!

Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden
Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden

Schweben ist ein schönes Gefühl! Und deshalb gibt es noch einen Nachschlag. Am frühen Abend haben wir eine weitere Verabredung zum Yoga mit Malu. Aerial Yoga, um genau zu sein. Mit Hilfe von Seidentüchern lockern wir erst unsere Muskulatur, bevor wir uns dann Schritt für Schritt vom Boden lösen und hängend, schaukelnd und schwebend diverse Übungen versuchen. Wieder geht es darum, loszulassen und innere Vorbehalte zu überwinden. Sich fallen lassen, Kontrolle abgeben, vertrauen, sich öffnen für ein neues Körpergefühl…

Die Stunde Aerial Yoga war mit Abstand die anstrengendste Sporteinheit seit langem. Aber es war auch eine starke Lektion: Manchmal muss man die Perspektive bewusst wechseln, Neues wagen, um zurück zu finden. Zurück zu sich selbst und zu mehr Leichtigkeit.

Gesucht – gefunden!

Was nehme ich mit von dieser Reise? Habe ich meine innere Mitte gefunden? Ich denke zumindest, ich habe sie gespürt. Und ich weiß nun, dass meine „Kraft-Tankstelle“ ganz alleine in mir selbst liegt. In der Offenheit, mit der ich durch die Welt wandere, in der Achtsamkeit, die ich mir und anderen gegenüber zeige, in der Aufmerksamkeit, die ich für die kleinen Wunder im Leben übrig habe. Ich nehme mir vor, viel regelmäßiger loszulassen, nicht alles zu verkrampft zu sehen, sondern manches auch bewusst aus einer anderen Perspektive zu betrachten… Und natürlich muss es auch weiterhin Auszeiten jenseits des Büroalltags geben. Denn wie heißt es so schön: Reisen tut der Seele gut.

Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden

Zwei mal jährlich dreht sich in Gastein für rund zehn Tage alles um innere Ruhe, um Balance und ums Loslassen an unterschiedlichen Orten in der Natur. Es gibt unzählige Yogaklassen mit allen Stilen, dazu Meditationsübungen und sogar Tanz- und Bewegungsworkshops. Vor allem aber gibt es die Möglichkeit, ganz wunderbare Menschen zu treffen, die alle ihre ganz eigene Sichtweise auf das Thema Achtsamkeit haben. Ich habe so viele inspirierende Gespräche geführt, für die ich sehr dankbar bin. Ich würde mich wirklich nicht als besonders spirituell bezeichnen, aber diese Tage haben mich bewegt und Gedanken frei gesetzt, die bis heute nachwirken. Das tut gut — mir und meinem kleinen Seelenvogel…

Unterwegs in Gastein – vom Suchen und vom Finden

Wir bedanken uns beim Tourismusverband Gastein für die Einladung zu dieser Reise. Der Artikel beruht auf einer Kooperation, spiegelt jedoch uneingeschränkt die freie Meinung und persönlichen Eindrücke der Autoren wieder. Mehr Informationen: www.gastein.com

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