Garmisch, Deutschland 

Sonnenbrand unter der Woche!

17. April 2018

Als ich die Woche gegenüber meinem Office-Buddie behauptete »…echten Urlaub habe ich schon lange nicht mehr gemacht…«, bekam dieser einen Lachkrampf und wollte, dass ich diese Äußerung noch einmal in seine Handy Kamera sage. Ich las ihm darauf hin einen Wikipedia-Eintrag zum Begriff Urlaub vor…

„Urlaub ist der Zeitraum, in dem ein arbeitsfähiger Arbeitnehmer, Beamter, Soldat oder auch Selbständiger unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts von der Arbeitspflicht zur Erbringung von Arbeitsleistungen befreit ist…“ So gesehen habe ich als Selbstständiger, der leider keine Lohnfortzahlung während der Reiserei bekommt (und deshalb zu häufig bis spät abends im Büro sitzt, um die Projekte voran zu bringen), schon seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht.

Ja, ich bin ständig unterwegs und reise sehr viel. Und ich reise gerne. Wann immer die Möglichkeit besteht, dem Arbeitsalltag zu entfliehen und den Blick auf den Monitor gegen ein Bergpanorama zu tauschen, bin ich dabei. Es mag vielleicht stressig klingen um 5:30 Uhr zum Bahnhof zu radeln und dann neun Stunden im Zug zu sitzen, nur um zwei Tage in Bayern wandern zu gehen. Doch wenn ich heute auf die Zeit in Garmisch Patenkirchen letzte Woche zurückblicke, würde ich am liebsten gleich morgen wieder aufbrechen.

Sonnenbrand unter der Woche!

Back to the future…

Garmisch stand also auf dem Programm! Wie es dazu kam? Ich hatte das Glück zusammen mit einigen anderen Outdoor Enthusiasten, die neue Peak Performance Outdoor-Kollektion in den bayerischen Bergen auf Herz und Nieren prüfen zu dürfen. Einer solchen Einladung konnte ich einfach nicht widerstehen, schließlich ist auch mein heiß geliebter Ski-Einteiler von eben jener skandinavischen Outdoor Brand. Einer Marke, die es als eine der wenigen schafft, den Fokus nicht nur auf Funktion, sondern gleichermaßen auf Style zu legen. Mal ehrlich, muss funktionale Kleidung immer quietschbunt sein? Viel lieber ziehe ich eine gute Outdoorjacke auch mal auf dem Bike auf dem Weg ins Büro an – und will dabei schließlich nicht wie mein eigener Erdkundelehrer aussehen!

Aber zurück zum Anfang… Erschöpft von einer sehr kurzen Nacht und einer immerhin produktiven Zugfahrt (danke, Deutsche Bahn, für den gratis Internetzugang) erreichte ich München. Am Treffpunkt im Headquarter von Peak Performance Germany sollte der Kurztrip in die Alpen starten. Die „Reisegruppe“ war ein bunter, international gemischter Haufen aus Schweden, Norwegern, Österreichern, Liechtensteinern, Briten, Südtirolern und mit Pascal von Outdoor Aesthetics einem weiteren Berliner neben mir. Gemeinsam ging es zunächst einmal Richtung Rosenheim beziehungsweise ins kleine Feldkirchen-Westerham.

Gut 15 Jahre ist es her, dass ich zum letzten Mal die Räumlichkeiten von W. L. Gore & Associates betrat, um alles über die bekannte Gore-Tex® Membran zu erfahren. Damals war ich noch Student und hab mir meine Reisen und Trips mit dem ein oder anderen Nebenjob für die Company erarbeitet. An diesem Tag sollte mein Wissen also nach vielen Jahren noch einmal aufgefrischt werden – und bei unserem Besuch der Testlabore traf ich dann tatsächlich auch alte Bekannte aus meiner Zeit als Promoter. Und was soll ich sagen, damals wie heute halten die Kleidungsstücke mit der verarbeiteten Hightech-Membran stets das, was sie versprechen: Winddicht. Wasserdicht. Atmungsaktiv. Sogar den Raintower von früher gibt es noch heute –  wir starteten sogleich einen Selbstversuch, um dann staunend zu beobachten, wie die Wassertropfen an der Kleidung perfekt abperlen. Blogger trocken, Test bestanden!

Abenteuer Anreise

Die erste echte Herausforderung wartete rund 1,5 Stunden später in Garmisch auf uns. Um zu unserem Hotel in unschlagbarer Panorama-Lage zu gelangen, mussten wir erst einmal hoch hinaus. Option 1: Zwanzig Minuten die Serpentinenstraße steil bergauf laufen. Option 2: Mit der (gefühlt) kleinsten Gondel der Welt über eine tiefe Schlucht schweben. Die Buräbahnli-Safari in der Schweiz im letzten Jahr hatte mich scheinbar noch immer nicht ausreichend abgehärtet. Meine Höhenangst schlug eiskalt zu und ich war mehr als erleichtert, als wir die steil abfallende Felswand aus dem Blickfeld verloren und die Bergstation neben unserem Mountain Hideaway erreichten.

Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!

Let’s start the Hiking Experience

Ebenso wenig wie ein Vogel in einen Käfig gehört Funktionskleidung in den Schrank. Oder in ein Testlabor.  Ab nach draußen und rauf auf die Berge hieß es entsprechend am nächsten Morgen. Und das Wetter spielte mit. Erst mal… Es dauerte ganze 100 Schritte, dann setzte Regen ein. Also schnell die Gore-Tex® Jacke über die Daunenweste, die mir eigentlich als bessere Wahl für den heutigen Morgen erschienen war. Die Kombination aus einer wärmenden und einer regendichten Schicht funktionierte dann auch einwandfrei bis es – wie so häufig in den Alpen – bergauf ging. Für mich hieß es: erneut raus aus der Jacke, Daunenjacke in den Backpack und schnell wieder die andere anziehen. Und: Lüftungsreißverschlüsse öffnen. Die richtige Mischung macht’s einfach(er)!

Eine knappe Stunde später musste ich mein Setup ein weiteres Mal optimieren. Wir waren am Gipfel angekommen und jetzt schien die Sonne. Oh wie ich diesen April liebe… Es ist fast wie auf den Färöer Inseln oder in Schottland, wo das Wetter stündlich durch alle Jahreszeiten wechselt. Ein prüfender Blick in den Himmel stimmte mich jedoch recht optimistisch. Die Wolkendecke schien sich endgültig aufzulösen und wir konnten die Sonnenbrillen herausholen. Genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Unsere weitere Wanderung führte eine Skipiste hinab und an der Olympia Schanze von Garmisch vorbei, dann wider hinauf in Richtung unserer Herberge. Hier wartet dann die Belohnung für den erfolgreichen ersten Outdoor-Feldversuch: Terrasse, Jausen Brettl, Weizenbier und Kaiserschmarrn zum Nachtisch. Und wieder einmal wurde mir klar: Im T-Shirt auf dem Sonnendeck lässt es sich einfach besser leben als unter Strom vorm Rechner im Büro. Ich muss an meinen Kollegen denken und grinsen: Augen auf bei der Berufswahl!

Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!

Die nachfolgende Functional Flow Session zur Entspannung musste ich leider schwänzen. Mit vollen Bauch konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, sportliche Yogaübungen zu machen. Schon ohne prall gefüllte Wampe tue ich mich schwer genug, den ungelenken Körper in Bewegung (=Flow) zu bekommen. Da gönnte ich mir lieber einen Espresso und arbeitete die eingetrudelten Emails ab. Morgen sollte es schließlich noch sportlich genug werden.

Garmisch Hiking Paradise

Wieder ging es seeehr früh los. Als der Wecker klingelte, stand der Mond noch am Himmel. Doch da bekanntlich der frühe Vogel den Wurm fängt und wir uns bereits um 08:30 Uhr mit Bergführer Rudi am Wanderparkplatz im Tal treffen sollten, musste der fehlende Schlaf später nachgeholt werden. Was Rudi mit uns vorhatte, wussten wir noch nicht. Nur so viel, dass es eine moderate Halbtageswanderung mit beeindruckenden Ausblicken auf bayerische Natur und die umliegenden Berge geben würde.

Bei Kaiserwetter setzte sich unser Trupp in Bewegung. Den sanft anfallenden Wanderweg verließen wir bereits nach wenigen Metern und prompt gab es ein erstes Briefing: „Achtet darauf, wo ihr eure Schritte setzt. Der Weg ist an manchen Stellen recht schmal und die Wurzeln recht glatt. Abstürzen sollten wir vermeiden. Weiter oben werden wir auch durch Schneefelder gehen. Am besten folgt ihr einfach meiner Spur und wer Probleme hat – bitte rechtzeitig Bescheid geben!“ Ok, das klang weniger nach einem entspannten Spaziergang…

Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!
Sonnenbrand unter der Woche!

Die Strecke war dann aber wie angekündigt tatsäch ein wahrer Traum. Immer wieder gaben Lichtungen den Blick frei auf die verschneiten Gipfel. Es ging vorbei an kleinen Bächlein, dann galt es, einige Höhenmeter über Leitern zu besteigen. Mal fiel zu unserer linken, mal zu unserer rechten das Gelände steil ab und ich verstand einmal mehr, warum wir wirklich achtsam wandern sollen. Aber was ist denn schon Hiking ohne Experience?

Sonnenbrand unter der Woche!
 

The best view comes after the hardest climb!

Damit wir uns auf dem schmalen Pfad über Stock und Stein nicht langweilten, gab es zwei Passagen, an denen Sicherheitsseile gespannt werden mussten. Zur Einstimmung ging es noch recht easy an einem Seil durch ein kleines Schneefeld, danach mussten wir uns jedoch Schritt für Schritt rückwärts in eine Schlucht „abseilen“. Auf der anderen Seite ging es dann auf einer Via Ferrata wieder bergauf. Hin und wieder purzelten losgetretene Steine von oben herab. Eieiei.

Doch was soll’s, der Weg ist das Ziel und die Wanderung unterhalb der Kramerspitz blieb mit all der Aufregung ein einmaliges Erlebnis. Zurück auf dem offiziellen Wanderweg, welcher vermutlich auch nicht die schlechteste Wahl gewesen wäre, luden dann unzählige Bänke und Panorama-Spots ein, das schöne Wetter und die Aussicht zu genießen. Uninteressant für uns Sportskanonen. Wir hatten nur ein Ziel vor Augen: die Terrasse der Martinshütte.

Wenn man bedachte, dass es ein regulärer Wochentag war und keine offizielle Straße zur Hütte hinauf führte, war doch erstaunlich viel los. Scheinbar war dieses lauschige Plätzchen schon lange kein Geheimtipp mehr. Uns störte das bunte Treiben und die vielen Wanderer nicht. Wir saßen schon wieder in der Sonne und warten auf unser Weißbier. Ach, das (Arbeits-)Leben kann so schön sein!

Um 16:00 Uhr am selben Tag saß ich dann wieder im ICE zurück nach Berlin. Erschöpft und glücklich legte ich die Füße hoch und schielte auf meine leicht gerötete Nase. Sonnenbrand an einem Wochentag hatte ich schon lange nicht mehr. Warum eigentlich?!

 

Ich bedanke mich bei Peak Performance für die Einladung zu dieser erlebnisreichen Hiking Experience nach Garmisch Partenkirchen, bei Gore für die informativen Einblicke ins Testlabor und bei Rudi von der Alpinschule Augsburg für die Begleitung unterwegs. Außerdem natürlich ein herzliches Dankeschön an Zimmerbuddy Pascal und an Tini, Mareen, Lexxi, Manuela, Marco, Sharon, Ryan, Torge und all die anderen für die lustigen Tage.
Wer noch mehr tolle Bergbilder sehen will, sollte sich bei Fotograf Matthias Fend umschauen. Ein großes Dankeschön für seine Dokumentation. Einige der Fotos in diesem Beitrag sind von ihm.

Dieser Beitrag ist Teil einer Kooperation. Er spiegelt jedoch uneingeschränkt die Meinung und Eindrücke des Autoren wieder.

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