Isle of Arran, Schottland 

Vom Meer ins Moor – Isle of Arran

10. Oktober 2017

Während es bei uns heißt „four seasons a year“ – sind es in Schottland „four seasons a day“: Sonne, Regen, Sturm… Alles war dabei, als wir vor kurzem die schottische Isle of Arran besuchten. Und so vielfältig wie das Klima ist auch der Rest der kleinen Insel vor der Westküste des Festlandes. Als „Scotland in a nutshell“ wurde Arran uns angepriesen. Nach unserem Besuch würden wir eher sagen: Scotland at its best!

Es stürmt, der Regen peitscht an Deck. Grau und düster ziehen die schweren Wolken am Himmel über uns hinweg. „Ladies and Gentlemen, bitte beachten Sie – aufgrund des Wetters wird der Fährverkehr in den kommenden Tagen voraussichtlich komplett eingestellt werden. Bitte beachten Sie die Hinweise auf unserer Website, zu wann eine Überfahrt wieder möglich sein wird“. Wir tun uns noch etwas schwer, das doch sehr „besondere“ Englisch der Schotten zu verstehen – aber was wir heraushören: Wir setzen gerade auf eine Insel über, von der es bis auf weiteres keine Rückkehr mehr gibt. Es ist Sonntag und noch ist völlig unklar, ob wir am kommenden Dienstag rechtzeitig zurück am Flughafen in Glasgow sein werden.
Aber was soll’s – hinter uns liegt der Alltag und vor uns… das Abenteuer!

Vom Meer ins Moor – Isle of Arran

Along the Shore – von Schmugglern und Königen

Arran hat die perfekte Größe für unser kleines Inselabenteuer: Rund 5.000 Menschen leben hier, es gibt eine Küstenstraße, die in rund zwei Stunden einmal um das Eiland herum führt sowie zwei weitere Straßen durch das hügelige Landesinnere, short cuts sozusagen. Dank des Golfstroms locken feine Sandstrände und Palmen im Sommer viele Badegäste und Familien vom Festland an. Jetzt, im Herbst, ist weniger los auf Arran (um nicht zu sagen: fast gar nichts) – dafür ist die Insel komplett in Gold- und Rottönen eingefärbt.

Bei unserer Ankunft schüttet es weiter aus Eimern, also entschließen wir uns, das Auto vorerst nicht zu verlassen und nutzen den Nachmittag, um einmal rund um die Insel zu fahren. Linksseitig, versteht sich – schließlich sind wir in Großbritannien.

Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran

Glücklicherweise gilt in ganz Schottland, wie schon erwähnt, die zwölf-Stunden-alle-Jahreszeiten-Regel. So dauert es nicht lange, bis die Wolken aufreißen, der Regen stoppt und die Sonne sich zeigt. Und da die Küste von Arran ohnehin viel zu schön ist, um sie nur vom Auto aus zu bewundern, lassen wir den Wagen in Blackwaterfoot kurzerhand stehen und folgen zu Fuß der Beschilderung in Richtung der King’s Cave, wo einst niemand geringeres als Robert the Bruce in einer der Schmugglerhöhlen eine sagenumwobene Begegnung mit einer Spinne gehabt haben soll… Was genau damals vorgefallen ist, haben wir leider nicht herausgefunden. Aber sei es drum… Der Weg lohnt sich auch ohne die Details. Wir spazieren am Strand entlang, lassen uns den Wind um die Ohren pfeifen. Zu unserer linken brechen die Wellen, rechterhand erheben sich die steilen Klippen aus Sandstein – und in der Ferne entdecken wir tatsächlich Seehunde, die faul auf einer Sandbank liegen…

Into the Heathland – stille Zeugen im Moor

Kaum kehren wir von unserem Ausflug zu den Höhlen zurück, wechselt – wie könnte es anders sein – das Wetter erneut. Wir verlassen die stürmische Küste und wagen uns vor ins mystische Inselinnere. Unweit von Blackwaterfoot beginnt das Machrie Moor. Durch ein unscheinbares Gatter führt ein matschiger Weg an Weiden mit unzähligen Schafen vorbei bis zu einem verlassenen, verfallenen Gemäuer…

Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
 

Niemand kommt von einer Wanderung so zurück, wie er losgegangen ist.

Dann plötzlich tauchen sie zwischen dem aufziehenden Nebel auf, stehen einfach da. Stumme Zeugen aus der Vergangenheit: Steinkreise. Unwirklich und ein wenig unheimlich ragen sie beinahe senkrecht empor und erzählen von einer anderen Zeit. Es ist still an diesem Ort. Das Moor schluckt jedes Geräusch. Wir sind allein – mit einem vergessenen Ort.

Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran

Glen Rosa Circuit – Highlight Highlands

Als wir aus dem Moor zurückkehren haben wir unser Herz längst an die Insel verloren. Auf wenigen Quadratkilometern präsentiert sich Arran so vielfältig, so einzigartig, so besonders. Wir wollen noch mehr entdecken und machen uns am nächsten Morgen gleich wieder auf den Weg zu einer weiteren Tour. Der angekündigte Sturm hat Arran inzwischen fest im Griff, der Wind heult uns um die Ohren, Sonne und Regen wechseln sich in einem unberechenbaren Tempo ab. Wir lassen uns nicht beirren und marschieren unweit von der „Inselhauptstadt“ Brodick los durch tiefe Wälder und über feucht-moorige Pfade.

Am Fuße des Goat Fell, dem höchsten Berg der Isle of Arran, öffnet sich schließlich vor uns ein weites, wildes Tal: das Glen Rosa. Scotland in a nutshell – nirgendwo trifft es mehr zu als hier. Wir vergessen beinahe, dass wir auf dieser kleinen Insel sind, fühlen uns vielmehr, als würden wir durch das unendliche Hochland des schottischen Festlands mit seinen berühmten, zotteligen Bewohnern wandern: die Highlands. Rund vier Stunden führt uns der Rundweg durch eine spektakuläre, farbenfrohe Welt – jenseits von Handynetz und jedweder Zivilisation.

Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran
Vom Meer ins Moor – Isle of Arran

Back to reality – back to the mainland

Nachdem am Montag tatsächlich der gesamte Fährverkehr eingestellt worden war, wird der Betrieb am Dienstagmorgen wieder aufgenommen. Fast sind wir ein wenig enttäuscht, bedeutet es schließlich, dass wir Arran schon wieder verlassen müssen. Schade, wir wären gerne noch ein paar Tage geblieben, hätten Wind und Wetter weiterhin getrotzt. Schweren Herzen verabschieden wir uns von unseren Gastgebern im zauberhaften, gemütlichen Glenisle Hotel und machen uns auf den Weg zum Hafen. Eine Stunde dauert die Überfahrt nach Ardrossan und nach weiteren 45 Minuten geben wir unseren Mietwagen am Flughafen von Glasgow ab. „Voller Empfang“ zeigt uns das Handynetz an – wir sind zurück in der Realität. Hinter uns liegen drei Tage in einer Welt, in der die Zeit still zu stehen scheint. Eine Welt mit verfallenen Burgen und Schmugglerhöhlen, mit englischen Landhäusern und Teatime am Nachmittag, mit nebeligen Mooren und tiefen Täler. Eine Welt von Whiskey und Cattles, in der rote Eichhörnchen die größte „Gefahr“ darstellen. Was für eine Zauberwelt. Oder einfach: Scotland, at its best!

Wir bedanken uns für die Einladung von Visit Scotland zu einer individuellen Pressereise. Dieser Artikel beruht auf einer Kooperation, spiegelt jedoch uneingeschränkt die Meinung und Eindrücke der Autoren wieder. Mehr Infos zu Schottland und der Isle of Arran gibt es HIER.

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