Mount Meru, Tanzania (enthält Werbelinks) 

On top of Africa – Mount Meru

2. Januar 2014

Während unser letzten Tage in Tansania erwartete uns ein einmaliges Highlight – im wahrsten Sinne des Wortes. Nach den ziemlich relaxten Tagen auf Sansibar, sollte uns ein wenig Bewegung gut tun. Also auf in den Norden des Landes, zu den Gipfeln des Kilimandscharo und seines “kleinen” Nachbarn Mount Meru.

Allerdings bedeutete das Hinkommen für mich auch: Augen zu und ab in die klapprige, kleine Propeller-Maschine. Ich übertreibe nicht – es waren Stunden der puren Panik. Hatte ich meine Flugangst in der großen Boing von Zürich nach Dar es Salaam über viele Stunden noch gut im Griff, ging mir bereits beim Anblick des wackeligen Fliegers ordentlich die Pumpe. Es sollte nicht das letzte mal sein in der nächsten Zeit …

Da wir in Arusha landeten aber nach Moshi mussten, standen wir am “Flughafen” (man könnte das Flugfeld auch als privaten Acker bezeichnen) vor der Frage: wie hinkommen? Vor dem Ausgang warteten bereits unzählige Safari Operator, um Gäste einzusammeln. Aber kein Bus sondern lediglich ein paar private Taxis standen bereit, um für horrende Summen alle anderen Ahnungslosen nach Arusha (20 USD) oder Moshi (100 USD) zu fahren. Wir ließen uns nach Arusha bringen, um dort in ein lokales Dalla-Dalla (ein klappriger kleiner, völlig überladenen Bus) umzusteigen. Kostenpunkt für die Strecke von Arusha nach Moshi: Ganze 12.000 Schilling – umgerechnet 6 Euro für 3 Plätze (unsere Rucksäcke bekamen einen gemeinsamen Fensterplatz!). So ruckelten wir los über staubige Pisten nach Moshi mit viel Lokalkolorit, unbarmherzigen »bumps« und großem Spaß!

On top of Africa – Mount Meru

In Moshi angekommen genossen wir zum ersten Mal das einmalige Panorama auf den höchsten Berg Afrikas. Der “Kili” mit seinen fast 5.900 Metern war uns aber doch eine Nummer zu groß. Wer sich trotzdem „auf das Dach Afrikas“ wagen will sollte sich entsprechend vorbereiten und seine Kilimandscharo Tour gut planen. Mount Meru mit knapp 4.600 Metern, mitten in einem tierreichen Nationalpark gelegen ist klettertechnisch sogar noch etwas anspruchsvoller, erschien uns dennoch in Bezug auf die Höhe als die entspanntere Wahl (soweit man bei solchen Touren überhaupt von Entspannung sprechen darf). Bei einem ersten »Briefing« am Nachmittag lernten wir dann auch gleich unsere Gruppe für die nächsten Tage kennen: Guide Mudi sowie drei weitere Bergfreunde: Steffi und ihr Verlobter David sowie Eddi, allesamt unser Alter. Wir waren uns von Anfang an sympathisch – und so wurde es dann auch eine extrem spaßige gemeinsame Zeit.

Tag 1

Der erste Tag unseres Aufstiegs begann am Eingang des Arusha Nationalparks, am Momella Gate. Dort lernten wir unseren Ranger Clever kennen, der uns mit geschulterter Flinte beim Aufstieg vor Büffeln beschützen sollte. Am Momella Gate wurde auch unser Gepäck auf Träger verteilt, wobei die Menge der Träger bei uns allen für große Irritation sorgte. Sollten wirklich zehn Träger für fünf Gäste notwendig sein, dazu ein Koch, ein Waiter und ein Guide? Wir liefen ja schließlich selbstständig hoch und hatten alle bewusst wenig Gepäck dabei. Es ist ein etwas befremdendes Gefühl, dass die Locals nun meine große Tasche den Berg hinauf tragen sollten und ich selbst nur den kleinen Rucksack mit Wasser… Man fühlt sich irgendwie unwohl dabei – trotzdem ermöglicht man so den Menschen eine Einnahmequelle. Und wie ich später merkte, hätte ich selbst den großen Rucksack niemals alleine den Berg hoch bekommen.
Und eine weitere Überraschung erwartete uns am Gate. Diesmal eine eher lustige…

On top of Africa – Mount Meru

Naa, habt ihr ihn erkannt?
Unser Aufstieg am ersten Tag ging knapp sechs Stunden, rund 9 Kilometer bis zur ersten Hütte, der Mirakamba Hut auf ca. 2.500 Metern. Der Weg war noch recht entspannt, auch wenn wir immerhin 1.000 Höhenmeter machen mussten, durch Wälder, unter einem beeindruckenden Feigenbaum hindurch, begleitet von ersten tierischen Einheimischen.
Endlich bei unserem Camp angekommen erwartete uns Waiter Carlos – eine Kopie von Tupac Shakur – bereits mit Tee (am Ende sollten wir ihn alle nicht mehr sehen können!) und Popcorn! Erschöpft und voller Vorfreude auf die nächsten Tage kuschelten wir uns gleich nach dem Abendessen (Gott sei Dank) in die eigenen Schlafsäcke.

Tag 2

Früh am Morgen ging es los, weitere 1.000 Höhenmeter zurück zu legen. Diesmal erstreckte sich die Etappe nur über rund 6 Kilometer, hauptsächlich waren es im Boden eingelassene Treppenstufen, über die wir uns die ersten vier Stunden in die Höhe schraubten. Diesmal vorbei an flechtenbehangenen, immer niedriger werdenden Bäumen. Unserer zweite Destination, der Saddle Hut, lag auf rund 3.570 Metern. Zur Akklimatisierung und Vorbereitung auf den kommenden Tag wurde nach einer ausgiebigen Mittagspause noch der Little Meru, eine kleinere Bergkuppe im Massiv auf gut 3.800 Metern, in Angriff genommen. Die Zwischenetappe und unseren ersten Gipfel hatten wir also erfolgreich gemeistert, auch wenn der Puls auf dieser Höhe schon recht hoch geht!

On top of Africa – Mount Meru
On top of Africa – Mount Meru
On top of Africa – Mount Meru
On top of Africa – Mount Meru

Tag 3 – der Gipfeltag

Unseren Aufstieg zum Gipfel starteten wir nach einer kurzen unruhigen Nacht bereits um 1 Uhr in der Früh. Dick eingepackt (es waren um die Null Grad) und mit Stirnlampen und ausreichend Wasser ausgestattet machten wir uns voller Tatendrang auf, um pünktlich zum Sonnenaufgang den Summit zu erreichen. Weitere 1.000 Höhenmeter lagen vor uns und erste Abnutzungserscheinungen der untrainierten Flachland-Körper (Fuß-, Knie- und Kopfschmerzen) machten sich bemerkbar. Noch halb im Schlaf gingen die ersten Stunden recht schnell vorbei und man erahnte in der Dunkelheit nur, dass wir uns bereits auf dem Kamm rund um die Kandela eines ehemaligen Vulkankraters bewegten. Ab 4.000 Metern machte sich dann wirklich bei allen die Höhe, in der wir uns bewegten, bemerkbar. Die Kopfschmerzen wurden schlimmer, das Herz pumpte schneller, der Magen rebellierte. Während bei Henryk vor allem der Kopf schmerzte, waren es bei mir Magenkrämpfe, die mich rund 300 Höhenmeter unterhalb des Gipfels kurzfristig zweifeln ließen, ob ich die letzte Etappe (Klettern über eine felsige Steilwand) schaffen würde. An dieser Stelle war ich wirklich froh, dass Steffi, David, Eddi, Henryk und ich als Team inzwischen sehr eng zusammen gewachsen waren und alle immer häufigere Verschnaufpausen einforderten. Es war klar, dass wir es nur gemeinsam packen wollten, aufeinander acht gaben und uns gegenseitig immer wieder ermutigten, weiter zu gehen. Am Ende war es nur der Kopf, der mich auf den Gipfel brachte, der Wille, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Der Körper hatte längst seine Grenze erreicht.
Und wir schafften es! Am Sonntagmorgen, 6:20 Uhr standen alle, völlig erschöpft doch glücklich auf dem Gipfel des Mount Meru auf 4.566 Metern und genossen einen einzigartigen Blick auf den Arusha Nationalpark und den gegenüberliegenden Kilimandscharo!

Vier Stunden dauerte der nicht enden wollende Abstieg zurück zur Saddle Hut und wir sahen nun bei Tageslicht das grandiose Gebirgsmassiv und die karge Vulkanlandschaft, die wir zuvor bei Dunkelheit entlang gewandert waren.

On top of Africa – Mount Meru
On top of Africa – Mount Meru

Wir waren nun schon rund 10 Stunden gewandert an diesem noch frühen Tag, doch es ging nach einer Rast auf der Saddle Hut noch weitere 3 Stunden bergab, zurück zur Mirakamba Hut. Mit jedem Höhenmeter bergab wurde der Kopfschmerz geringer und die Kraft kehrte zurück. Dennoch waren wir alle total erschöpft, müde und körperlich angeschlagen, als wir das Camp für die Nacht erreichten –  aber auch sehr glücklich und zufrieden! Wir hatten es gemeinsam geschafft!

 

Tag 4

Am letzten Tag ging es über die Nordroute durch den Nationalpark über Wälder und Wiesen zurück zum Eingangs-Gate. Der Muskelkater machte sich ordentlich bemerkbar. Zum Abschied präsentierten sich uns noch einmal Paviane, Büffel, Warzenschweine und Zebras. Ein anstrengender, aber auch wunderschöner Trip ging zu Ende.

Ein Wermutstropfen zum Schluss…

Der Trip zum Mount Meru ist landschaftlich wirklich absolut empfehlenswert. Die Situation der Träger, Köche und Guides vor Ort hat uns jedoch auch nachdenklich gemacht. Denn auf der Tour tummeln sich verschiedene Gruppen, die mit diversen Veranstaltern auf dem Berg sind. Und da gibt es deutliche Unterschiede in der Qualität der Versorgung und Beanspruchung des Teams. Wir haben unter anderem lange mit Sebastian von snowandsavannah.com gesprochen. Er stammt aus Tanzania hat aber in Stuttgart studiert, hat nun sein eigenes Unternehmen aufgezogen und es sich zur Aufgabe gemacht, fair und vor allem transparent zu sein – gegenüber den zahlenden Kunden und dem gesamten Team vor Ort. Zudem unterstützt das Unternehmen mit den Einnahmen lokale Entwicklungsprojekte.
Er berichtete, dass es bei manchen Operatern vorkommt, dass Träger nicht mit den Gästen sprechen dürfen, kaum oder sehr schlecht bezahlt werden, sogar ihr eigenes Essen mitbringen müssen. Besonders überrascht hat uns, dass vor allem die zwei großen (teuren) Anbieter aus Deutschland einen sehr schlechten Ruf haben. Auch unser Veranstalter gehört leider nicht zu den verantwortungsvollsten, wie uns gesagt wurde… Das Problem: Man selbst erkennt es im Vorfeld nicht, verlässt sich auf Empfehlungen und Erfahrungsberichte – dabei fehlt aber jede Transparenz, was mit dem Geld, das man bezahlt, passiert. Wer profitiert und wer bleibt auf der Strecke?

Am Ende jeder Tour gibt es immer die Situation, dass das gesamte Team Trinkgeld erwartet – und zwar nicht zu knapp. Zwischen 5 und 15 USD pro Person, pro Tag. Das ist bei einer Teamgröße von insgesamt 13 Personen eine ordentliche Stange Geld, die wir so nicht eingeplant hatten. Man schwankt zwischen den Zweifeln, ob eigentlich wirklich so viele Träger dabei waren (man hat sie nämlich nicht wirklich wahrgenommen) und dem Wunsch, den Menschen vor Ort angemessen zu danken und ihnen finanziell zu helfen, selbst wenn die Tour an sich schon ordentlich Geld gekostet hat. Wir hoffen, dass es bei der Verteilung unseres Obolusses einigermaßen fair zuging.

Das alles muss man sich durchaus sehr bewusst machen, wenn man in Afrika unterwegs ist. Wir haben im Anschluss an den Trip eine lange Mail an unseren Veranstalter in Deutschland geschickt, um von unserem durchmischten Eindruck und zurückgebliebenen Fragen zu berichten, in der Hoffnung, dass sich vielleicht zukünftig etwas ändert. Solltet ihr zum Mount Meru oder zum Kilimandscharo wollen, schaut euch die Anbieter gut an, sprecht mit ihnen, fragt nach. Wir würden wohl das nächste mal mit Sebastian und seinem Team starten….

On top of Africa – Mount Meru
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13 comments

    freut mich dass Ihr es heil geschafft habt….
    sehr cooler Bericht….aber *hust* klettern über eine felsige Steilwand….??? mustte ich irgendwie nicht….war wohl ein anderer meru 🙂
    Das mit dem Trinkgeld ist echt scheisse….bei uns stand das zum Glück im Reiseführer…..haben dann jedem seinen Anteil am Schluss persönlich in die Hand gedrückt damit die sich nicht gegenseitig bescheissen.
    Viel Spass weiterhin…..

    P.S. Das mit Reinhold kann auch wieder nur Dir passieren

    Antworten

    Also wir sind über die bis dato noch unbekannte Nordflanke rauf gestiegen 🙂 nee, aber mal ohne Mist, die letzten Meter war doch klettern! Und mit nur 30% Sauerstoff um Blut war das meine persönliche Höchstleistung!!! Kennst mich doch … 🙂

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    Großartig, da muss ich zustimmen. Wenn jemand beim Berg-Besteigen Reinhold Messner trifft, dann Katharina. Und Zebras! Awesome!

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    Wie wahr, wie wahr!!! Schön, dass ihr uns so fleißig folgt!! Liebe Grüße

    Antworten

    Gratulation zu eurer Bergbesteigung!
    Reinhold Messner zu treffen, ist natürlich nochmal ein
    besonderer Bonus und ihn am Berg abzuhängen.
    Euch noch viel Spaß und wir freuen uns auf spannende Berichte.

    Antworten

    Hey ihr beiden,
    super Bericht und absolut zutreffend! War eine tolle Zeit mit euch!
    Viel Spass noch auf eurer großen Reise und passt auf euch auf.
    Cheers

    Antworten

    Hallo Ihr Weltenbummler,
    schöne Fotos und Zusammenfassung der Bergtage. Grüße von drei Wegbegleitern (zumindest an Tag 1).

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    „Rheinhold Messner hat nicht den Kilimanjaro geschafft, usw“ So ein Blödsinn. Einfach mal Messner und Kilimanjaro googeln, dann erfährt auch der Nichtwissende 1. das Messner 1978 eine Erstbesteigung an der direkten Breach Wall gelang, die nie wiederholt worden ist und das er 2. der zweite Mensch war, der die 7. Summits bestiegen hat. Schon mal gehört? Er war übrigens mit euch am Meru, um mit seinem Sohn Simon die Ostwand zu klettern (mit 70!). Das wurde von der Nationalparkverwaltung nicht erlaubt.
    Den kurzen felsigen Gipfelaufschwung zum Merugipfel als „Steilwand die man klettern muss“ zu bezeichnen, ist auch der Hammer. Heilige Einfalt!

    Antworten

    Hallo Bernd, du scheinst ein großer Messner-Fan zu sein. Wir finden ihn bzw. seine Leistungen auch absolut beeindruckend. Und du hast recht, er war damals mit seinem Sohn da – warum er dann nicht mit zum Peak aufgestiegen ist, wussten wir allerdings noch nicht. Da scheinst du ja bestens informiert… Und ja, er hat auch schon den Kili gemeistert. Die Anekdote, die uns die Guides damals aufgetischt haben, war wohl ein Touri-Gag (und wir sind drauf rein gefallen). Aber das macht ja einen Blog auch aus – er hat nicht den Anspruch, journalistisch investigativ zu berichten oder wie ein Reiseführer alle Fakten abzubilden, sondern er beschreibt vor allem persönliche Eindrücke und Geschichten. Dazu gehört ebenfalls, eine Kletterpassage mal als Steilwand zu bezeichnen – selbst wenn der Alpinist das anders beurteilen würde – für uns war es eine Herausforerung bei dieser ersten Trekkingtour. Beste Grüße und nicht immer alles so genau nehmen 😉

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    […] uns auch einer ersten richtigen Herausforderung. Beim Aufstieg auf den 4.562 Meter hohen Gipfel des Mount Meru im Norden des Landes haben wir unsere körperlichen Belastungsgrenzen aber auch eine Menge netter […]

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    […] stehen – Cima Mutta, 2.291 m ü.d.M. – und den neuen Tag begrüßen, so wie damals am Mt. Meru in […]

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    […] Reinhold Messner. Das Team Out Of Office hat ihn sogar einmal persönlich in Afrika am Fuße des Mount Meru getroffen. Nun haben wir uns sein neuestes Gipfel-Projekt im Norden Italiens […]

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