St. Anton am Arlberg, Österrreich 

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

18. November 2017

Seit letzter Woche steht mein Handy nicht mehr still. Zum Leidwesen von Katharina brummt es in einer Tour. Alarmierende Nachrichten. Gute Nachrichten. Es hat in den Alpen geschneit. Der eingerichtete Powderalarm hält mich darüber auf dem Laufenden, wenn irgendwo genug herunter gekommen ist, um Spaß zu haben.

Väterchen Frost ist zurück. Und zwar so richtig! Es hat sogar so viel Neuschnee gegeben, dass zahlreiche Skigebiete in den Alpen früher als geplant die Saison eröffnen. Für uns heißt das: Ski entstauben, Kanten schleifen, Equipment auf Vollständigkeit überprüfen… und noch einmal die eigene Kondition kritisch hinterfragen.

Dass Kondition und Kraftausdauer bei manch einer Abfahrt von Nöten sind, habe ich schon mehrfach am eigenen Leib erfahren. Zuletzt in St. Anton am Arlberg, als ich mich gleich zwei alpinen Aufgaben stellen durfte. Erstens dem Run of Fame und zweitens einem Winterklettersteig (von dem ich bereits berichtet habe…).
So viel sei schon jetzt verraten: Nur eine der beiden Herausforderungen konnte ich mit Bravour meistern. Und nach beiden haben meine Beine ordentlich gezittert! Vor allem aber haben die zwei Challenges unglaublich viel Spaß gemacht. In jedem Fall erfordern sie eine gewisse Grundfitness und ordentliche Skills auf Skiern. Wer beides mitbringt, ist am Arlberg richtig aufgestellt. Wenn ihr euch traut!

 

Ruhm und Ehre – der Run of Fame

„Henryk, wenn du den Run of Fame in Angriff nimmst, solltest Du wirklich nicht zu spät starten. Auch Fotostopps müssen sich in Grenzen halten. Ich weiß, es ist verlockend, doch spar dir irgendwelche Ausflüge ins Gelände, sonst wirst du es zeitlich einfach nicht schaffen – und die Runde wird zum Run of Shame für dich…“, so in etwa lautete das Briefing von Experte und meinem lokalen Guide Tom, der anscheinend nicht nur das Gebiet, sondern auch uns Blogger, die immer und ewig fotografieren, recht gut kennt. Tom war es auch, der mir den Skirundweg der Superlative mit 85 Abfahrtskilometern und unglaublichen 18.000 Höhenmetern überhauot erst bei meiner Ankunft in St. Anton ans Herz gelegt hatte.

Mit dem frühen Aufstehen habe ich im Skiurlaub definitiv kein Problem. Und so stand ich noch vor der ersten Bergfahrt aufgeregt an der Gondelstation bereit, um am 2.816 Meter hohen Rendl in mein Rennen zu starten. Ich traf auch gleich ein bekanntes Gesicht. Freerideguide Geli Häusl war ebenfalls früh auf den Beinen, um mit einer Gruppe die schönen Westhänge anzutesten. Mit ihrem Mann Stefan, auch er ist erfolgreicher Freeride Profi, war ich im letzten Dezember bei der Snow and Safety Conference unterwegs. Die gemeinsame Bergfahrt nutzte ich, um alles über die aktuellen Bedingungen, die Arlberger Freeride-Szene und den Run of Fame zu erfahren. Ich hätte mich durchaus gerne ihrer Gruppe angeschlossen, doch standen für heute ausschließlich schnelle Pistenabfahrten auf meinem Programm. Ich warf einen letzten Blick auf die Karte, aktivierte die Ski-Tracking App und dann ging es endlich los – natürlich doch inklusive einiger Fotostopps…

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

Der Start verlief nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Von der Riffelscharte beginnt die Rundtour zunächst mit einer eher anspruchsvollen Piste. Steil, buckelig und so früh am Morgen noch knallhart. Alles kein Problem für mich… für den holländischen Gast vor mir jedoch schon. Völlig überfordert und ohne Begleitung zitterte sich der Mann Zentimeter für Zentimeter talabwärts. Meine Frage, ob alles okay sei oder er vielleicht etwas Hilfe benötige, erwiderte er mit einem so dankbaren Kopfnicken, dass  ich nicht anders konnte, als ihn ganz langsam, Bogen für Bogen Mut zusprechend, in flacheres Gelände zu führen. Die anschließende Einladung des schweißgebadeten Mann auf einen Drink als Dankeschön musste ich jedoch ablehnen. Ich hatte schon zu viel Zeit verloren.

Deutlich rasanter als die ersten Meter führte mich der Rundweg weiter quer durch das Rendl Gebiet hinab nach St. Anton und dann weiter über den gegenüberliegenden Galzig Gipfel in Richtung St. Christoph. Vom Schindlergrad folgte eine lange Abfahrt hinunter bis nach Stuben. Die Abfahrt nach Stuben gehört früh morgens oder sehr spät am Nachmittag eigentlich zu meinen liebsten, denn hier kann man vor allem im oberen Stück richtig Gas geben oder – wenn man eher gemütlich unterwegs ist – an umliegenden Hängen häufig Gämse beobachten. Vormittags bei Kaiserwetter und an einem Wochenende in der Hochsaison bremste mich jedoch dieses Mal das ein oder andere „Hindernis“ erneut aus…

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

Flexenbahn – eine schicksalhafte Verbindung

Der nächste Lift auf meiner Runde war die Flexenbahn, welche zusammen mit den Trittkopfbahnen I und II sowie der Albonabahn II seit dem Saisonstart 2016/17 nicht nur die Orte Stuben und Zürs miteinander verbindet, sondern gleichzeitig alle Skiorte am Arlberg auf Skiern erreichbar macht. Mit 305 zusammenhängenden Pistenkilometern darf sich der Arlberg nun als größtes zusammenhängendes Skigebiet Österreichs bezeichnen. Die Flexenbahn schließt den Ring und hat den Run of Fame, der trotz seiner Länge nur 25 der 88 Lifte nutzt, überhaupt erst möglich gemacht.

Wenn sie denn fährt…. Denn das war leider nicht der Fall, als ich an diesem Nachmittag eintraf. „Technische Wartung. Das dauert wohl auch ein Weilchen. Es gibt aber genügend andere schöne Lifte und Abfahrten. Viel Spaß und danke für Ihr Verständnis.“ Mein Vorhaben, den Run of Fame erfolgreich zu beenden, wurde also erneut behindert. Allerdings ist Stuben nicht der schlechteste Ort, um zusätzliche Abfahrten zu machen. Ich folgte dem Ratschlag des Liftboys und stieg in die Gondel hinauf zur Albona. Solange der Sessellift nicht fuhr, nahm ich einige Offpiste-Runs in Angriff – vorbei am Arlbergtunnel-Lüftungsschacht, der aussieht, als sei er einem Science Fiction Film entsprungen. Ein grauenhafter Betonklotz an einem wunderbaren Hang.

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

Pause? Immer gerne!

Die Abfahrten waren anstrengend. Dennoch gönnte ich mir nur kurze Fotopausen, um das traumhafte Panorama festzuhalten. Meine Strategie: Die Beine nur bei den Gondelfahrten entlasten, um keine weitere Zeit zu verlieren. Als die Flexenbahn allerdings nach drei weiteren Abfahrten immer noch still stand, gab ich mich aber dann schließlich doch geschlagen, hakte innerlich den Run of Fame für dieses Mal ab und genoss die Sonne mit einem Schokoriegel und einer Tasse Tee. Zu 100% konnte ich aber noch immer nicht entspannen. Irgendwann müsste diese doofe Bahn doch wieder laufen!

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

Weiter, immer weiter…

Tatsächlich. Bei der nächsten Talfahrt lief der Lift wieder. Es ging weiter – von Zürs über das Madloch Joch hinab nach Zug, von dort wieder hinauf zum Kriegerhorn (wo die Sonnenterasse kurz scheinbar magnetische Wirkung auf mich hatte) und weiter, immer weiter, in Richtung Oberlech und Lech. Mittlerweile war es später Nachmittag und die Hänge wie leer gefegt. Alle anderen genossen schon das wohlverdiente Radler im Liegestuhl, ich hingegen genoss den Platz auf den breiten Pisten. Meine Beine sendeten bereits deutliche Signale zum Großhirn, dass auch sie gern den Liegestuhl aufsuchen würden. In Lech angekommen stand die Vollendung des Run Of Fames dann auch nicht mehr zur Debatte. Im Gegenteil. Ich musste schleunigst den Rückweg antreten, um nicht von Zürs oder Alpe Rauz den Bus nach St. Anton nehmen zu müssen.

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen
Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

Der letzte Verbindungslift in Richtung St. Christoph und St. Anton fuhr um 16:30. Um 16:27 passierte ich das Drehkreuz und fiel erschöpft in den Sessel. Was für ein grandioser Skitag! Bevor ich die letzte Etappe ins Tal antrat, wollte ich mir ENDLICH einen kühlen Drink auf der Ulmer Hütte gönnen. Die Rückseite des Hauses liegt auch zu fortgeschrittener Stunde noch in der Sonne. Das Radler wurde mir jedoch verwehrt. Ich war einfach zu spät dran. Nur Gäste, die in der schnuckeligen DAV Hütte übernachten, bekommen nach 16:30 noch ein Getränk. Scheinbar hat die Pisten-Patrouille in der Vergangenheit schlechte Erfahrung gemacht… Es half alles nichts. Weder das Wedeln mit dem Geldschein noch mein Hundeblick – ich musste zurück ins Tal.

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

Nach dem Skitag ist vor dem Abenteuer

Für einen finalen Stopp beim Mooserwirt fehlte mir dann schlussendlich die Kraft. Mein Körper schrie weder nach Bier noch nach Partymusik – er wollte nur noch in die Waagerechte. Sollten meine müden Beine sich überraschend schnell von diesem Tag erholen, würde ich mich vielleicht noch zu einer weiteren Empfehlung von Tom aufraffen – dem besten Käsefondue von St. Anton.

Ein Blick auf mein Telefon und die Ski App bestätigte am Abend mein Gefühl, dass dieser Tag produktiv gewesen war. In 8h 34min hatte ich 88,8 km auf Skiern zurückgelegt. Und die nächste Action, der Winterklettersteig, war fest für morgen eingeplant. Oh my god… St. Anton ist wirklich nur was für Verrückte – für Ski-Verrückte!

Wie es mir beim Winterklettersteig ergangen ist könnt ihr übrigens hier noch einmal nachlesen.

Run of Fame – Skifahren bis die Beine brennen

Dieser Artikel beruht auf einer Einladung durch den Tourismusverband von St. Anton am Arlberg. Er spiegelt jedoch uneingeschränkt die Eindrücke und Erlebnisse des Autors wieder.
Mehr Infos zum Skigebiet sowie zur Skischule und Bergführern findet ihr hier: www.skiarlberg.at und unter www.stantonamarlberg.com

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