Cortina d'Ampezzo, Italien (Werbung) 

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

24. Juli 2020

Wir haben schon häufiger über das befreiende Gefühl geschrieben, unterwegs zu sein in den Bergen. Wahrscheinlich war dieses Gefühl nie so intensiv wie in diesem Sommer. Das erste Mal wieder Reisen – nach über vier Monaten „Zwangspause“. Und es fühlt sich fantastisch an. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass wir in den wunderschönen Dolomiten rund um Cortina d’Ampezzo unterwegs sind.

Bei der ersten Tour in diesem Sommer werde ich begleitet von Nadine, einer langjährigen Freundin aus meiner rheinländischen Heimat, die genau wie Henryk und ich die Berge und das Wandern liebt. Kind und Mann sind daheim geblieben, die kommenden Tage gehören nur uns Mädels und den Gipfeln im Parco Naturale delle Dolomiti d’Ampezzo. Der Naturpark ist das einzige private Schutzgebiet dieser Art in Italien und feiert 2020 sein 30-jähriges Bestehen – er wurde also genau in dem Jahr gegründet, in dem auch die Freundschaft zwischen Nadine und mir entstand. Damals, in der Grundschule… (oh man, wir sind alt geworden!).

Zum Jubiläumsjahr präsentiert Cortina d’Ampezzo eine spektakuläre neue Mehrtagestour durch die Welt der Dreitausender. Sieben Tage, sechs Nächte, 6.700 Höhenmeter. Das sind die Paramater, die das Dolomiti Ultra Trekking kennzeichnen. Die Route wurde zum Start der Sommersaison erstmalig als zusammenhängende Tour vorgestellt, Nadine und ich gehören also zu den Ersten, die auf der offiziellen Runde unterwegs sein werden. Zumindest ein paar der insgesamt 132 Kilometer Wegstrecke wollen wir in Angriff nehmen. Denn tatsächlich haben wir nur drei Tage Zeit und haben uns daher für zwei wunderschöne Teilabschnitte der Route entschieden. Drei Tage Schweiß & schmerzende Füße – drei Tage Einsamkeit & Glück.

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

Durch das wilde Travenanzes-Tal

Wir starten in unser Bergabenteuer in Begleitung von Alessandro, einem lokalen Bergführer, im ursprünglichen Val Travenanzes am Fuße der Tofana Gebirgsgruppe. Für die knapp 20 Kilometer lange Strecke durch meist gemäßigtes Gelände sind 6-7 Stunden angesetzt. Wir packen ausreichend Wasser ein, denn das Tal ist komplett unbewirtschaftet, sowie ein zweites Paar Schuhe, da wir auch einen kleinen Flusslauf durchqueren müssen. Überhaupt, das gesamte Tal ist ein sprudelnder Quell, es plätschert und rauscht in einer Tour. Der kleine Bachlauf, dem wir anfangs folgen entwickelt sich schnell zu einem reißenden Fluss, der sich seinen Weg in einem tiefen Canyon frisst und von einem imposanten Wasserfall gespeist wird. Alessandro schlägt einen kurzen Abstecher zum Cascate di Fanes vor, an dem auch der Zustieg zu einem Klettersteig beginnt. Und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

Bei strahlend blauem Himmel und steigenden Temperaturen setzen wir unseren Weg fort. Das Tal wird offener. Der helle Dolomit-Stein am Grund blendet uns regelrecht, als die Sonne um die Mittagszeit hoch am Himmel steht. Da ist die angekündigte Überquerung des Bachs eine willkomenne Abkühlung. Am Horizont taucht eine Scharte vor uns auf, die Forcella Col dei Bos auf rund 2.573 Metern, die es heute noch zu überqueren gilt. Das Wandern ist nun durchaus mühsam, insbesondere an solch einem heißen Sommertag. Aber die Belohnung, als wir den Pass eine Stunde später erreicht haben, ist umso größer: Beeindruckende Gipfel, soweit das Auge reicht. Und sie „gehören“ in diesem Augenblick nur uns ganz allein.

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
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Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

Im Berg und am Berg statt über den Berg

Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster unserer Herberge, dem Rifugio Col Gallina, blicken, ist der Himmel wolkenverhangen. Dauerregen und Gewitter sind für den gesamten Tag vorhergesagt. Unser Bergführer Alessandro, den wir eigentlich am Vortag bereits verabschiedet hatten, ruft an und will die Lage mit uns besprechen. Die nächste Etappe auf dem Dolomiti Ultra Trekking Trail ist zwar machbar, aber unter diesen Bedingungen nicht empfehlenswert. Kurzfristig schmeißen wir unsere Pläne über den Haufen und verabreden uns erneut mit Alessandro. Wir haben entschieden, heute in den Berg zu gehen statt durch die Bergwelt.

Die Region rund um Cortina d’Ampezzo hat eine bewegende Vergangenheit und ist bis heute gezeichnet vom 1. Weltkrieg. Tausende Soldaten waren in den Dolomiten stationiert und mussten dort zum Teil Wochen und Monate ausharren. Viele Relikte von damals sind bis heute in Form von Ruinen und Kriegswegen erhalten und geben uns die Möglichkeit, über ein weit verzweigtes Tunnel-System tiefer in die Welt der Dolomiten einzutauchen, als wir es erwartet hätten. Ein dunkles und zum Teil düsteres, aber nicht weniger spannendes Gesicht der Berge  sollte sich uns offenbaren.

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

Wir besteigen die Lagazuoi-Seilbahn, die uns auf  2.742 Meter knapp unterhalb des Lagazuoi Gipfel bringt, der heute in einer dicken, grauen Wolke hängt. Unwirklich ist diese Welt hier oben, in der wir uns an diesem frühen Morgen alleine wiederfinden. Und damit nicht genug. Wir legen den Klettergurt an, setzen Helm mit Headlight auf und klettern an einem dünnen Stahlseil entlang in den Nebel, bis sich vor uns wie aus dem Nichts eine klapprige Holztür auftut, die mich umgehend an den Zugang zur Unterwelt erinnert. Ich schaudere. Wir steigen durch die Luke und befinden uns von einem Moment auf den anderen in absoluter Dunkelheit.

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

Gut zwei Kilometer führt der alte Minenstollen durch den Berg. Steil bergab gilt es in knapp drei Stunden einen Höhenunterschied von insgesamt 639 Höhenmetern zu bewältigen (ja, das geht durchaus in die Beine). Unterwegs machen wir noch einen Abstecher auf ein Teilstück einer Via Ferrata, die uns wieder hinaus führt aus dem Tunnel und entlang der nackten Felswand durch die Wolken. Dieser Ausflug ist so ganz anders als die liebliche Welt, durch die wir am Vortag gewandert sind. Wir sind den Bergen so viel näher und müssen einfach nur feststellen, dass wir die Felswände um uns herum niemals bezwingen werden. Ein großartiger Ausflug und das beste Schlecht-Wetter-Programm, das wir uns hätten wünschen können.

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
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Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
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Am Nachmittag bringt uns ein 4×4-Shuttle zum wunderschön gelegenen Rifugio Croda da Lago. Hier hätte unsere heutige Etappe auf dem Dolomiti Ultra Trekking eigentlich enden sollen. Wir werden morgen einfach die Etappe in entgegengesetzt Richtung wandern – denn den Blick auf die Cinque Torres wollen wir uns in keinen Fall entgehen lassen. Wir checken ein, entspannen in der zauberhaften, urigen Fass-Sauna und freuen uns, dass der Himmel am Abend aufklart und einen trockenen neuen Wandertag verspricht.

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
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Back on track

Die Sonne lacht, die Beine sind inzwischen etwas schwer, aber wir haben riesige Lust, endlich wieder Strecke zu machen. Heute stehen noch einmal abwechslungsreiche 15 Kilometer an mit verschiedenen Pässen und einem krönenden Abschluss an den Cinque Torri. Diese Etappe auf dem Dolomiti Ultra Trekking ist einfach nur traumhaft schön und entspricht genau der Bilderbuch-Vorstellung, die man gemeinhin von den Dolomiten hat: Üppig Grüne Hochebenen werden gesäumt von beeindruckenden Steilwänden und außergewöhnlichen Felsformationen, die Kletterer aus aller Welt anlocken. Dazu Murmeltiere, friedlich grasende Kühe und urige Hütten mit den leckersten Gerichten aus ganz Venetien. Wobei wir in Cortina d’Ampezzo auch gelernt haben, dass die eigentliche Spezialität der Region nicht etwa Pasta ist, sondern… Eiscreme! Egal wen wir aus Cortina kennengelernt haben, jede und jeder hatte mindestens einen Verwandten in Deutschland, der dort eine Eisdiele betreibt. Also, wenn ihr das nächste Mal in der Düsseldorfer Altstadt im Eiscafé Pia vorbeischaut, dann denkt an uns und an die Dolomiten und seid gewiss, ihr esst das beste Eis Italiens!

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
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Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking
Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

Ciao Cortina, ciao Tofana, ciao dolomiti… Es war wie immer großartig. Aber besonders schön war es, mit einer so guten Freundin wie Nadine all das erleben zu dürfen. Und endlich mal wieder den Duft der Freiheit in der Nase zu haben. Die Freiheit in den Bergen und die Freiheit des Reisens. Das hat gefehlt, ihr habt gefehlt…

Der Duft der Freiheit – Dolomiti Ultra Trekking

Hinweis: Ich bedanke mich beim Tourismusverband von Cortina d’Ampezzo für die Einladung in die Region und ganz besonders bei Eleonora, Alex und Alessandro für die Gastfreundschaft und Betreuung vor Ort. Und natürlich bedanke ich mich bei Nadine für ihre Begleitung bergauf und bergab…

Dieser Beitrag beruht auf einer Kooperation, spiegelt aber ausschließlich die persönlichen Eindrücke der Autorin wieder. Mehr Informationen zum Dolomit Ultra Trekking.
Hier geht es zu den Guides Cortina: www.guidecortina.com

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