Island, Ostküste 

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

7. April 2018

Wir sind schon in Seilschaften über Gletscher gewandert, wir haben am Fuße von aktiven Vulkanen gestanden, wir sahen schon Eisberge sanft durchs Wasser gleiten. Auf unterschiedlichen Reisen, in verschiedenen Zeitzonen… Niemals jedoch haben wir all das innerhalb eines einzigen Tages erlebt. Bis jetzt!

Unser Raodtrip durch Island führt uns weiter in Richtung Osten. Wir lassen die heißen Quellen und wilden Fälle hinter uns und durchfahren stattdessen karge und schier unendliche Lava-Felder. Je näher wir dem Vatnajökull Nationalpark kommen, desto imposanter wird das Panorama vor uns. Eine feine weiße Linie erstreckt sich über den gesamten Horizont. Doch was wir sehen ist nur ein Bruchteil der Realität. Wir kratzen sozusagen am Rande des gigantischen, vereisten Vulkans – des größten in Europa. Der Vatnajökull macht acht Prozent der gesamten Landfläche von Island aus (was eine ganze Menge ist, wie ich finde). Sein Eis ist bis zu 900 Meter dick, im Norden ragt er bis auf 1.700 Meter in den Himmel. Vor uns steht ein Monster.

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

Abenteuerlustige können den Vatnajökull übrigens mit Trucks oder Skidos befahren und auf geführten Touren die spektakulären unterirdischen Gletscherhöhlen besichtigen. Da wir uns in Island befinden und hier alles etwas teurer ist, sollte man sich allerdings sehr gut überlegen, ob der Spaß es wert ist. Eine rund dreistündige Tour kostet ab 180 Euro pro Person – in der Nebensaison, wohlgemerkt…

An der blauen Lagune

Wir wollen jetzt vor allem erst einmal näher ran an das Ungetüm. Am Besucherzentrum des Nationalparks starten mehrere Wanderungen, unter anderem auch direkt zum Fuße des eisigen Zeitgenossen. Knapp 30 Minuten später stehen wir vor der weißen Wand. Schilder warnen uns, nicht zu nah an die Gletscherzunge heranzugehen, da unerwartet Eis herabstürzen kann. Auch Treibsand oder nicht ersichtliche Löcher im losen Boden sind eine potentielle Gefahr. Die Erde lebt, alles ist aktiv – Spannung liegt in der Luft. Aber die Anziehungskraft des Eises ist größer. So fremd und aufregend sieht das gigantische Naturschauspiel vor uns aus.

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

Der Vatnajökull hat nicht nur EINE Gletscherzunge. Auf vielen Kilometern räkeln sich weiße „Adern“ in Richtung Küste. Das Eis ist einfach überall. Und ganz besonders spektakulär präsentiert es sich dort, wo es sich mit dem Meer vereint – dort, wo Eisschollen sich in Gletscherseen sammeln, um dann gemächlich hinauszutreiben auf den offenen Atlantik. Der wohl bekannteste Spot, um dieses besondere Schauspiel zu beobachten ist die Lagune von Jökusalón.

Wir stehen am Ufer und lauschen dem Knacken und Ächzen des Eises. Immer wieder brechen Stücke ab und krachen mit lautem Getöse in das kristallklare, stahlblaue Wasser der Lagune. Fette Robben aalen sich gemütlich auf den Schollen, lassen sich nicht von uns beeindrucken. Eine Wasserrinne verbindet den See mit dem Meer. In ihr treibt das Eis – friedlich – bis es sich dann vereint mit den tosenden Wellen des Ozeans, von denen es wieder zurück an den Strand gespült wird. Das Spazieren entlang der Küste ist beinahe noch schöner als die Lagune selbst. Als käme es aus einer anderen Welt und aus einer anderen Zeit ruht das Eis im schwarzen Sand und glitzert friedlich in der Sonne. Der Diamond Beach trägt seinen Namen wohl zu Recht. Ein wahres Schmuckstück…

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)
Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)
Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)
Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

Tipp: Wem am Jökusalón zu viel los ist, der findet etwas versteckt in der Nähe die nicht weniger schöne Lagune Fjallsárlón – und mit ihr die totale Einsamkeit…

Black Beauty

Schweren Herzens reißen wir uns vom Anblick der treibenden Eisschollen los und steigen wieder ins Auto – weit kommen wir nicht. Die Küste hält uns in ihrem Bann gefangen. Scharfkantige, dunkle Felsen türmen sich vor uns auf. Wir biegen ab von der Ringstraße auf eine kleine Halbinsel zu. Aus der betonierten Landstraße wird eine Schotterpiste, wir passieren die Reste einer Schranke. Der Weg wird steiler und ich auf dem Beifahrersitz immer unruhiger – kommen wir da hoch? Auf der unbefestigten „Straße“ voller Geröll schlingert unser Wagen von rechts nach links. Jetzt nur kein Gegenverkehr… Oben angekommen erblicken wir zu unserer Überrascung einen kleinen Leuchtturm. Ein Kap. Dyrhólaey.

Im Osten erstreckt sich eine langgezogene Sandbank – an dessen Ende sich die drei spitzen Basalt-Felsen namens Reynisdrangar aus dem tosenden Meer erheben. Gen Westen: ein schier unendlicher schwarzer Strand. Black Beach. Die Brandung zeichnet eine scharfe Kante zwischen Land und Ozean. Wir sind beinahe allein hier oben. Still genießen wir den Ausblick, lassen uns den Wind um die Ohren wehen und lauschen dem Kreischen der Seevögel. Isländische Perfektion.

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)
Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)
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Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)
Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

Am Abend fahren wir noch einmal ein gutes Stück weiter gen Osten. Wir folgen dem Tipp des Gastgebers unserer Pension bei Skalafell und steuern in Richtung Höfn. Bei einbrechender Dunkelheit bietet sich hier am (natürlich ebenfalls schwarzen) Strand von Stokksnes ein fantastisches Schauspiel. Nebel liegt über der Bucht. Wir klettern durch schwarzen Dünen und finden uns plötzlich in einer ganz und gar surrealen Szenerie wieder. Einmal mehr verstehen wir, woher die Isländer ihren Hang zur Mystik haben… Ein schöner Abschluss für diesen aufregenden Tag.

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

Bruchlandung im Paradies

Bevor wir uns am nächsten Tag auf den Rückweg machen in Richtung Reykjavik, gilt es noch einen wichtigen Punkt auf unserer Island Bucket List abzuhaken. Sicherlich hat jeder schon mal ein Bild von dem alten Flugzeugwrack am Strand von Island gesehen… Trotz aller Warnungen, dass es alles andere als ein Geheimtipp wäre und es viel zu viele Menschen inzwischen dorthin ziehen würde, wollte ich es unbedingt auch einmal mit eigenen Augen sehen. Ein unscheinbarer kleinen Parkplatz gleich neben der Ringstraße kurz vor dem Skógafoss ist unser Ausgangspunkt. Von dort aus führt ein Pfad immer geradeaus – und weiter und weiter und weiter… In einem anderen Reiseblog hatte ich gelesen, dass man eine gute halbe Stunde bis zum Wrack läuft. Stimmt nicht! Es ist eine gute Stunde – und wir sind nicht die einzigen, die zwischendurch mit sich hadern, ob sich dieser lange Weg überhaupt lohnt. Wie auf einer Autobahn pilgern Menschen ins Nirgendwo – hinter uns, vor uns, mit uns und uns entgegen…

Und dann steht es da: das alte, ausgeschlachtete Geister-Gerippe einer Propellermaschine der US Navy. Seit 1973 ruht es hinter einer schwarzen Sanddüne, gepeinigt von vielen stürmischen Wintern. Die Besatzung konnte sich vor dem Absturz damals noch mit dem Schleudersitz retten. Das Flugzeug hat hier sein Grab gefunden. Ein morbider, einsamer Ort. Und er ist voller Menschen… Seit einer Dokumentation vor einigen Jahren wandern täglich hunderte Touristen hierher. Selbst Justin Bieber hat hier schon ein Musikvideo gedreht und ist dafür auf dem Wrack geskated. Tja, nicht immer ist es gut, wenn besondere Orte prominent werden. Lohnt sich der Abstecher trotzdem? Ich finde: ja! Aber macht euch selbst ein Bild…

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)
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Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

Ein erstes Zwischenfazit zu unserem Roadtrip durch Islands Süden – je weiter man gen Osten kommt, desto einsamer wird es (und damit auch sicherlich etwas schöner). Viel wichtiger ist aber, dass man sich ausreichend Zeit nimmt für die Route. Auch wenn viele Touren für die Strecke von der Hauptstadt bis Höfn und zurück nur drei bis vier Tage vorsehen, es gibt so viel mehr zu entdecken, wenn man mit etwas mehr Muße und Ruhe unterwegs ist.

Für uns geht es nun erst einmal zurück Richtung Reykjavik, aber noch lange nicht nach Hause. Fortsetzung folgt…

Eis, Eis, Baby – Roadtrip durch Island (Teil 2)

Hinweis: Diese Reise beruht auf einer Einladung durch den Reiseveranstalter Wikinger Reisen. Der Artikel spiegelt jedoch uneingeschränkt die Meinung der Autoren wieder. Mehr Informationen: www.wikinger-reisen.de 

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