Lodz, Polen 

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

1. September 2017

„Was gibt es denn in Lodz zu sehen?“ Eine Frage, die wir häufig hörten, wenn wir von unserem Plan erzählten, ein Wochenende in der drittgrößten Stadt Polens zu verbringen. Zugegeben, wir wussten selbst nicht so recht, was uns erwarten würde.

In einer Zeit, in der Flirten auf einschlägigen Plattformen wie Tinder unter unseren Single-Freunden ganz selbstverständlich zum Alltag dazu gehört, scheinen Verabredungen mit mehr oder weniger Unbekannten nichts Außergewöhnliches zu sein. Auch wir finden Blind Dates spannend – allerdings suchen wir dabei keine neue Lebenspartnerschaft. Wir tindern fremde Orte. Keine Internetrecherche vorab, keine „Must-See“- und „Must-Do“-Listen für die Tage vor Ort – schlichte Neugier und eine gute Portion Offenheit leiten uns durch unbekannte Straßen. Immer begleitet von einem aufregenden Prickeln auf der Haut. Denn wer weiß, was aus dieser ersten Begegnung alles werden kann…

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

Alte Gemäuer in neuen Gewändern

Unsere blinde Verabredung mit Lodz führt uns auf direktem Weg zum Manufaktura Gelände. Die historischen Backsteinhäuser der ehemaligen Textilfabrik bilden heute einen modernen Freizeitkomplex mit Restaurants, Museen, zahlreichen Shopping-Optionen – und unserer Herberge für die kommenden zwei Tage: Das Vienna House Andel’s. Die Hotelkette hatte uns nämlich eingeladen, eines ihrer Häuser zu besuchen. Und unsere Wahl war auf das architektonisch reizvolle Ensemble in Lodz gefallen.

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

Als wir einchecken ist es bereits später Nachmittag. Wir beschließen, uns Lodz langsam zu nähern. Für heute bleiben wir im Hotel, lassen den Abend im hauseigenen a la Carte Restaurant Delight und später mit einem Drink in der Skyfly Bar ausklingen. Schließlich sind ein genussvolles Dinner und ein Blick in der anschließende Blick in die Sterne das perfekte Setting für ein romantisches erstes Date.

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

Off-Side mit der rosaroten Rikscha

Am nächsten Morgen gehen wir dann aber endgültig auf Tuchfühlung mit der unbekannten Stadt. Mit der Rikscha dringen wir ein ins pulsierende Herz von Lodz. Über die Ulica Piotrkowska geht es vorbei an bunten Fassaden, maroden Gebäuden und historischen Zeitgenossen. Lodz überrascht uns. Lodz ist anders. Nicht zu vergleichen mit Krakau oder Warschau und deren prunkvollen Altstädten. Lodz ist unfertig. Die Stadt ist noch dabei, sich zu finden und versucht sich dabei an einem Spagat zwischen den Relikten des industriellen Wohlstands, jüngerer sozialistischer Vergangenheit und alternativ-kreativer Zukunft. Eine ungewöhnliche, aber sehr aufregende Mischung.

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
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Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

Volle Kraft voraus

Deutlich wird dieser Spagat auch am Beispiel des EC1, einem alten Kraftwerk, das aktuell in ein Museum umgebaut wird. Wir durften noch vor der offiziellen Eröffnung einen ersten Blick hineinwerfen. Noch mehr als die Ausstellung selbst berührt uns die Begeisterung der Macher, die unendlich viel Energie und Zuversicht in den Umbau stecken und einen Ort schaffen wollen, der Besucher und Bewohner von Lodz gleichermaßen mitreißt. Die Expo 2022 ist das große Ziel aller Beteiligter. Lodz hat sich als Ausstellungsort beworben und man legt viel Hoffnung in dieses Zukunftsprojekt. Wir drücken die Daumen.

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

Schweiß, Blut und Tränen…

Später offenbart Lodz noch eine weitere Facette. Eine, die mit etwas Wehmut an vergangenen Glanz, Reichtum und auch viel Leid erinnert. Im Fabrikmuseum lernen wir, dass die meterlangen Stoffbahnen aus Damast und Baumwolle einst die Lebensadern der Stadt waren. Eine Lektion in Demut, die uns vor Augen führt, das Kapitalismus keine Erscheinung der Neuzeit ist – schon damals waren es Wenige, die das Geld nach Hause trugen und Viele, die dafür in den Fabriken geschuftet haben, unter Bedingungen, die wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Geblieben von damals ist nicht viel – der Reichtum ist vergangenen, die Fabriken wurden geschlossen, aber einige Wunden und Wunder sind noch sichtbar.

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten
Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

Nach zwei Tagen in Lodz sind wir keine Fremden mehr. Aus dem Blind Date hat sich echte Zuneigung entwickelt. An unserem letzten Abend nimmt Lodz uns dann sogar noch mit zu sich „nach Hause“. Im Galicja treffen wir Tomasz und Paulina vom lokalen Tourismusverband – sie lieben ihr Lodz und teilen mit uns nicht nur deftige polnische Leckereien und gutes Bier, sondern vor allem auch ihre Lebensfreude, ihren Stolz auf die Stadt und ihre Zuversicht, dass Lodz künftig mehr sein wird als die „Stadt aus dem deutschen Schlager“…

Einen Theo haben wir übrigens nicht getroffen in Lodz – dafür andere tolle Menschen. Und ob es ein zweites Date geben wird? Mit Sicherheit!

Lodz – Blind Date mit einer Unbekannten

Vielen Dank an das Vienna House Andel’s für die Einladung und an den polnischen Tourismusverband für die Einblicke in die Stadt. Dieser Beitrag ist Teil einer unbezahlten Kooperation. Er spiegelt uneingeschränkt die Meinung der Autoren wieder.

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