Kathmandu, Nepal 

Ein Blick auf die Welt

6. Mai 2015

 

Heute hatte ich recht unerwartet eine sehr inspirierende Begegnung. Auf der re:publica, einem mehrtägigen Event in Berlin mit einem bunten Mix an Vorträgen und Diskussion über die digitale Gesellschaft, lauschte ich am Nachmittag den Erzählungen von Alexander Gerst.

Der deutsche Geo-Physiker und Astronaut hat bis vor kurzem auf der Internationalen Raumstation ISS gearbeitet und sechs Monate im Weltraum gelebt. Der Blick aus dem All in dieser Zeit hat seine Perspektive auf die Welt grundlegend verändert. Was er beschreibt macht glücklich und nachdenklich zugleich. Ich fühlte mich erinnert an unsere sechs Monate in „fremden Welten“. Eine Zeit, die den eigenen Blickwinkel ebenfalls in vielerlei Hinsicht nachdrücklich verändert hat…

Zugegeben, Alexander Gerst versteht es wie kaum ein anderer, seine Begeisterung und Freude an der Wissenschaft, dem Weltraum und vor allem an unserem Planet Erde mit seinem Publikum zu teilen. Seine Augen strahlen, wenn er von der Schönheit der Wüsten berichtet, die er von oben hat vorbeiziehen sehen. Von der Mystik der Andromeda Nebel oder auch, wenn er einfach nur beschreibt, wie einzigartig Berlin bei Nacht ins Weltall strahlt. Doch der Blick auf die Welt aus rund 400 km Höhe ist nicht immer bloß atemberaubend und schön. Er berichtet auch von Momenten, in denen er nachdenklich wurde, wenn aus zum Beispiel das ganze Ausmaß der Umweltzerstörung im Amazonasgebiet überblickte. „Ich denke mir dann immer, wenn uns irgendwann doch einmal jemand aus einer anderen Galaxie besuchen kommt – dann ist genau das der erste Eindruck, den er von uns bekommt. Und dann frage ich mich, wie wir ein solches Verhalten der Menschen gegenüber der Natur oder auch das Verhalten der Menschen miteinander intelligent und logisch erklären wollen?“ Ich wüsste heute auch keine Antwort darauf…

Ein Blick auf die Welt

Gezielte Umweltzerstörung und provozierte Kriege sind das eine Übel. Dazu kommen noch die Katastrophen, die wir Menschen nicht selbst in der Hand haben. Wie zuletzt das Erdbeben in Nepal. Ich denke so oft daran, dass es weniger als zehn Monate her ist, dass ich Nepal besucht habe. Ich erinnere mich, wie wunderschön das Land trotz der offensichtlichen Armut war. Einmalige Tempelanlagen und Bauwerke, die mich tief beeindruckt haben – nicht nur durch ihre Architektur, sondern vor allem, weil man spürte, welche Bedeutung diese Anlagen und Gebäude für die Menschen vor Ort hatten. Menschen, die trotz Armut glücklich wirkten. Gerne denke ich an die Zeit in Kathmandu, voller Trubel, Lärm, Staub und Dreck. Heilige Kühe auf den Straßen, überall wurde gebetet, gesungen, gelacht – und gehupt. Es war eine wahnsinnige Stadt, in einem einzigartigen Land.

In den letzten Wochen sieht man nur noch Bilder von Zerstörung, Trauer und Elend und ich kann nicht glauben, dass dies der Ort sein soll, den ich in Erinnerung habe. Ich habe natürlich sofort gespendet und kann auch nur euch alle bitten, Nepal ebenfalls zu unterstützen, damit den Menschen geholfen werden kann.

Alexander Gerst hat heute in seinem Beitrag noch etwas Schönes gesagt: “Die Menschheit ist für das Universum unwichtig” – aber die Menschen sind für die Menschheit wichtig. Er hat von Hoffnung gesprochen und dass man nichts unversucht lassen soll, Träume zu verwirklichen. Träume für sich selbst und für andere. Ich habe meinen Traum von einer Reise durch Nepal und Tibet im letzten Jahr verwirklicht – viel wichtiger ist aber, dass der Traum der Menschen in Nepal erfüllt wird. Der Traum, von einer sicheren Zukunft.

 

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