Roadtrip, Neuseeland 

Schäfchen zählen in Neuseeland

18. Mai 2014

Ein Grund für unsere Auszeit OUT OF OFFICE war der Wunsch, die innere Work-Life-Balance wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Frei nach dem Motto: Weniger Stress gleich mehr Lebensqualität. In Neuseeland mussten wir nun aber erfahren, dass zuweilen neben dem Phänomen „Burn-Out“ noch eine andere Gefahr droht: „Bored-out“.

Time is running. NOT!

In Berlin fielen wir nach zu vielen Stunden im Office und anschließender Feierabend-Action (Bierchen mit Freunden, Sport, Konzertbesuche, …) doch eher spät und erschöpft ins Bett. Jeden Morgen drückten wir die Nickerchen-Taste des Weckers wieder und wieder und kamen eher schwer aus dem Bett.
In Neuseeland stellten wir nun fest, dass die Uhren auch ganz anders ticken können! Denn wie bereits berichtet: Hier ist Herbst. Die Landschaft ist goldgelb gefärbt, die Straßen werden leerer, die Luft ist klar und die Tage werden kürzer. Man könnte auch sagen: die Nächte sind lang – seeehhhhhr lang.

Schäfchen zählen in Neuseeland
Schäfchen zählen in Neuseeland

17:00

Der Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Zeit, einen Stellplatz für die Nacht aufzusuchen.
Schließlich wollen wir heute noch im Hellen was in die Pfanne hauen.

18:30

Es ist schon jetzt stockfinster. Also die Headlight raussuchen und schnell noch den Abwasch erledigen. Wie es sich für echte Camper gehört: unter kaltem Wasser, um Gas zu sparen – ist klar.

19:00

Die Zähne sind geputzt (geduscht wird hoffentlich morgen) und wir liegen eingemuckelt im Schlafsack mit extra dicker Zusatzdecke nebeneinander. Leider ist das Buch bereits gestern als »done!« im Kofferraum verschwunden und Katharinas aktuellen Krimi habe schon vor ihr verschlungen. Hhmm. Der Laptop Akku ist bereits seit drei Tagen am Ende. Und WiFi? Sowieso Fehlanzeige! Also bleibt mir nichts anderes übrig als noch ne Runde “4 gewinnt” auf dem iPhone zu spielen.

Schäfchen zählen in Neuseeland

19:30

Scheinwerferlicht – der ein oder andere Camper kommt also doch noch später an. Vielleicht sollten wir auch noch abends Kilometer machen? Rechts von mir werden Justus Jonas und seine beiden Kollegen im Hörspiel von gleichmäßigem Atmen übertönt. Der blöde “4 gewinnt”-Computer fällt immer auf den gleichen finishingmove rein. Zeit, das Spiel zu beenden und in der Mediathek nach einer Playlist zu suchen, die noch keine 20 mal auf unserer Reise gespielt wurde – und hoffen, dass diese Nacht schneller vorbei geht als die letzte. Durchschlafen wäre auch mal nicht schlecht.

00:30

Die Wolken haben sich verzogen und der perfekte Sternenhimmel schimmert durch unser Panoramafenster. Ich pfriemele mir den Knopf aus dem Ohr – wo ist denn nur das iPhone? Ach, ich liege darauf… Ein Blick auf das Display (natürlich unter dem Schlafsack, nicht das ich jemanden wecke…). Ahhh, erst halb eins. Warum bin ich denn jetzt wach? Und nun? Schäfchen eins, Schäfchen zwei, Schäfchen drei, …

04:05

Kurz die Lage checken – alles beim alten. Nur, dass langsam der Rücken schmerzt. Wo ist das Handy schon wieder? Bitte, bitte lass es schon… Oh no! Erst vier. Warum kann Katharina eigentlich jede Nacht zufrieden zwölf Stunden (und mehr) schlafen?

04:30

Was raschelt denn da an der Frontscheibe unserer Karre? Versucht da einer, den Scheibenwischer abzureißen? Ein Parkranger? Ups, haben wir heute Nacht die Stellplatzgebühr in die Donationbox geworfen? Der Ranger würde jawohl klopfen – so wie die Cops im Frankreich Urlaub. Wieder das Rascheln! Katharina ist auch aufgewacht und nuschelt was von “Nachschauen”. Ich versuche, mich im Schlafsack um 180 Grad zu drehen, um durch den Vorhang nach Vorne zu spähen. Unfassbar! Ein Pferd! Nein, zwei Pferde, die unseren Seitenspiegel anknabbern. Dann eine riesige Nase, die gegen die Heckscheibe drückt. Das muss ein Traum sein – wie schön, dann schlafe ich also doch! Fühlt sich nur so echt und wach an!

Schäfchen zählen in Neuseeland

05:20

Der Mond scheint durch die Heckscheibe. Die Blase drückt, doch der Blick aufs Handy bringt die ernüchternde Erkenntnis, dass ich mindestens noch eine halbe Stunde liegen bleiben muss, bevor sich das Aufstehen lohnt. Wenn ich nämlich um sechs Uhr aufstehe sind es nur noch 1,5 Stunden bis Sonnenaufgang – also 45 Minuten am Strand one way – und die Kamera mitnehmen. So wird’s gemacht.

05:50

Ok, jetzt reicht es. Ich muss hier raus.
So leise wie es ein 140 x 220 cm großer Innenraum zulässt, pelle ich mich aus dem Schlafsack. Katharina fragt, was los ist. »Hey, weiterschlafen, ich ähhh geh mal den Sonnenaufgang fotografieren. Wie spät? Noch zu früh. Also bis gleich.«

07:15

Der erste Sonnenstrahl kommt durch die Wolken am Horizont. Zeit, zurück zum Auto zu gehen – Zeit für einen Kaffee. Katharina lacht mich an und fragt, wie verrückt denn der Besuch der Pferde heute Nacht war. Doch kein Traum!

Vielleicht sollte ich es heute Abend mal mit Baldrian Tee oder Rotwein zum Abendbrot? Oder einfach weiter Schäfchen zählen.

Schäfchen zählen in Neuseeland
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