Schliersee, Deutschland 

Microadventure mit Gleichgesinnten

30. Mai 2018

Wer etwas erleben will, muss dafür nicht bis ans andere Ende der Welt reisen. Im Gegenteil. Das Abenteuer kann bereits vor der eigenen Haustür losgehen. Dieses Mal habe ich geschaut, was in und um München geht – und gleichgesinnte Abenteurer am schönen Schliersee getroffen.

Um 15:00 Uhr wird der Rechner zugeklappt. Jetzt heißt es schnell die Tasche packen – so viel wie nötig, so wenig wie möglich – umziehen, Sonnencreme ins Gesicht und ab auf’s Rad. Mein Ziel ist der 60 km entfernte Schliersee inklusive Zwangspause, da noch kurzfristig ein wichtiger Video Call für 16:30 Uhr angesetzt wurde – mal schauen, ob die Netzabdeckung im bayerischen Voralpenland da mitspielen wird…

Eine echte Idee von der Route von München Giesing zum Schliersee habe ich nicht, jedoch weiß ich in etwa wo ich hin muss und vertraue dem Stand der Sonne sowie den zumeist hilfsbereiten Anwohnern oder anderen Radfahrern, die man ja jederzeit fragen kann. Auf geht’s.

Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten

Schweißgebadet und fast pünktlich erreiche ich den vereinbarten Treffpunkt in Neuhaus am Schliersee. Hier sind bereits eine Handvoll Outdoor-Enthusiasten, die den Reiz des kleinen Abenteuers und der Übernachtung unter freiem Himmel ebenfalls zu schätzen wissen. Der Rest der Truppe steckt noch im zähfließenden Feierabendverkehr rund um München (ein Hoch auf mein Bike).

Einer davon ist Alastair Humphreys. Der sympathische Kerl ist ein echter Weltenbummler und hat schon allerhand wirklich abenteuerliche Sachen gemacht. Mit dem Fahrrad um die Welt, zu Fuß durch Südindien, mit dem Ruderboot über den Atlantik, diverse Marathons durch die Sahara, und und und… Ohne Fleiß wird man schließlich auch nicht zumNational Geographics Adventurer of the Year gewählt. Alastair war es auch, der den Begriff „Microadventure“ überhaupt erst etabliert hat – und bis heute nicht müde wird, die Idee des kleinen Abenteuers zu promoten. Mich hat er längst überzeugt!

Alastair hat sich oft gefragt was die Leute eigentlich davon abhält, dem Wunsch nach Erleben in der Natur nachzugehen. Neben dem zeitlichen Aufwand ist häufig das fehlende Geld der Showstopper. Dabei stand für ihn schon immer fest: Auch ohne großes Budget kann man sich ins Abenteuer stürzen. Alastair liebstes Beispiel: Zusammen mit einigen Freunden kaufte er sich für ein paar Pfund LKW Reifen und ließ sich an einem schönen Sommertag damit einen Fluss hinab treiben. Sie übernachteten draußen, ließen am Folgetag die Luft aus den Reifen, fuhren mit dem Bus zurück in die Stadt und saßen gut gelaunt um neun in der früh im Büro. Solche Aktionen sind mindestens genauso gut wie ein Kanu-Trip in Alaska! Und an Land sind LKW-Reifen übrigens auch extrem gemütlich…

 

Vom Bike ins Boot

Autoreifen haben wir am Schliersee nicht im Gepäck – der Plan für den heutigen Abend ist vergleichbar simpel: Fahrrad parken, kurzen Trail wandern, dann mit dem (echten) Kanu auf eine kleine Insel übersetzen, Schwimmen, Bier am Lagerfeuer trinken, unter freiem Himmel (Hängematte oder Zelt) schlafen, um dann gegen 06:00 Uhr wieder in den See zu springen, Kaffee zu trinken und zurück ans Festland zu paddeln. Für mich geht es dann noch ein paar Kilometer weiter mit dem Bike. Zurück nach München – zurück in die Zivilisation. That’s it.

Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten

Am Lagerfeuer sitze ich neben Christo Foerster. Auch er ist ein echter Globetrotter und leidenschaftlicher Abenteurer. Ihm ging es wie so vielen von uns – für größere Touren fehlte vor allem die Zeit. Also suchte er neue Herausforderungen in seiner direkten Umgebung, die kurz, günstig, ohne große Planung und für Jedermann zu realisieren sind. Seine Suche war erfolgreich! „Raus und machen“ lautet seine Devise und sein gleichnamiges Buch, mit welchem er vielleicht auch euch aus der Komfortzone lockt.

 

Vogelgezwitscher statt Handywecker

Als ich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang erwache zieht es mich magisch nach Draußen. Ruhig liegt der See zu meinen Füßen. An den Bergen wandern langsam dünne Nebelschwaden hinauf. Dicke Tautropfen bedecken die Wand meines Zeltes. Ich scheine einer der ersten am heutigen Morgen zu sein. Ja, die Nacht war kurz, dennoch fühle ich mich gut. Ob es Stolz ist oder die kindliche Freude darüber, etwas „nicht ganz normales“ jenseits des Hamsterrads der Gesellschaft gemacht zu haben? Was hält uns eigentlich davon ab ein Abenteurer zu sein? Das Warten auf die Sonne ist doch viel schöner als der Versuch, den Wecker wieder und wieder zu ignorieren. Der Sprung in den See ist tausend Mal belebender als die lauwarme Dusche und der Kaffee aus der Blechtasse schmeckt einfach besser als der Macchiato per Knopfdruck… Und warum bleiben wir nicht einfach weitere 24 Stunden auf der kleinen Insel im Schliersee? Langweilig würde uns sicher nicht werden.

Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten
Microadventure mit Gleichgesinnten

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass der einzige Nachteil an einem Microadventure ist: Es geht einfach viel schnell vorbei!

Solltet auch ihr nun ein wenig auf den Geschmack gekommen sein: In unserer Rubrik Microadventure gibt es zahlreiche Inspirationen für Abenteuer, die in 12, 24, 48 oder 72 Stunden zu realisieren sind.

Wenn ihr allerdings gedruckte Anregungen bevorzugt, dann empfehlen wir die Bücher von Alastair Microadventures: Local Discoveries for Great Escapes (Englisch) und Christo Raus und machen.

 

Microadventure mit Gleichgesinnten

Ich bedanke mich für die Einladung zum Microadventure by Haglöfs x SportScheck.

Dieser Beitrag wurde durch die oben genannten Partner unterstützt, spiegelt jedoch uneingeschränkt die Meinung und Eindrücke des Autors wieder.

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