Ardennen, Burgund & Loire, Frankreich 

Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs

18. Juli 2018

Oh la la, wir lieben Frankreich! Und wenn es nach mir geht könnten wir noch viel häufiger den Franzosen einen Besuch abstatten. Es gibt jedoch ein nicht zu unterschätzendes Risiko beim Reisen in unserem Nachbarland: die Küche ist zu gut! Wer nach seinem Frankreich Urlaub keine fünf Kilo zusätzlichen Bauchspeck mitbringen will, der sollte sich vor Ort vielleicht etwas sportlich betätigen… zwischen den Mahlzeiten, versteht sich…

Bereits im letzten Jahr haben wir unseren Roadtrip durch Frankreich deshalb durchaus aktiv gestaltet: Rafting auf der Aude, SUP am Mittelmehr, Radfahren entlang der Loire… Diesen Sommer nahmen wir den Osten des Landes unter die Lupe. Was wir vor Ort entdeckten? Vor allem viele Wälder – mal mystisch und geheimnisvoll, ein anderes Mal einladend frisch mit saftigem Blätterdach.

Und was man in den grünen Lungen der östlichen Departments sportlich so alles erlebt und wen man vor Ort dabei kennenlernt? Voilà, lest mehr dazu in unseren neusten Abenteuer-Tipps zwischen Maas und Loire..

La forêt de A R D E N N E S
Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs

#1: Ins Baumhaus klettern & zur Dusche rudern

Habt ihr zufällig die Netflix Serie La Forêt gesehen? Wir haben sie Gott sei Dank erst nach unserem Besuch in der belgisch-französischen Grenzregion angeschaut, denn auch ohne Kenntnis dieser düsteren (fiktionalen) Geschichte ist eine Übernachtung im von Nebelwolken verhangenen Wald bei Haulmé aufregend genug.

Die Baumhäuser von David Rogissart, die man unter anderem dort entdecken kann, erinnern an einen kleinen Jungen-Traum, an Peter Pans Abenteuer auf einem Piratenschiff mit einer Ausguck-Plattform, Bullaugenfenstern, Kletternetzen, knarzenden Bohlen, einem Seilzug (für den Picknick-Korb), und geflochtenem Outdoor-Schlafplatz unterm Sternenhimmel. Strom gibt es übrigens keinen. Auch keinen Handyempfang und kein fließendes Wasser. Wer duschen will, muss mit einer kleinen Barke über den Fluss rudern und am anderen Ufer auf den Campingplatz schleichen. Kurzum, diese Unterkunft ist wirklich etwas Besonderes! Mindestens so gemütlich wie unser Camper – aber doch völlig anders.

Verbrennt überflüssige Kalorien also am Besten beim Holzhacken, Feuermachen, Klettern, Rudern, … oder lauscht ganz einfach in die Nacht und genießt das Konzert der auf das Dach prasselnden Regentropfen. Dieses Abenteuer erfordert allerdings auch etwas Mut, denn wer weiß schon, was da sonst so in den Baumkronen knarzend und knackend umherklettert…

Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs
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Neugierig geworden? Hier erfahrt ihr mehr über die einmaligen Baumhäuser am Ufer der Semois (auf der man übrigens auch ganz wunderbar paddeln kann): www.cabane-et-vallee.fr

#2: Ins Tal rollen

Trot Tout Terrain nennt sich das neuste Angebot von Aventure Evasion in Haybes an der Maas. Dahinter versteckt sich ein vollgefederter Offroad-Tretroller, mit dem man stetig bergab durch die Wälder heizen kann. Dieses Spielzeug erinnert stark an ein Mountainbike, jedoch fehlen die Pedale und der Sattel… Genau das richtige also für alle Ardennen-Besucher mit Bewegungsdrang.

Unser Guide Camille Mansuy empfing uns grinsend an der Station im Tal. Sie ist ein echtes Energiebündel und betreibt jegliche sportlichen Aktivitäten, die man sich so vorstellen kann. Ob Paddeln, Klettern, Biken, Trailrunning – Hauptsache es ist körperlich anstrengend und findet Draußen statt. Wir schnappten uns schnell die Helme (absolut empfehlenswert), luden die Scooter in den Wagen und fuhren, wie sollte es auch anders sein, tief hinein in den Wald. Je weiter es nach oben geht, desto länger die Abfahrt! Oooyeah!

Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs
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Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs
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Oh ja, wir hatten zwei großartige Abfahrten (obwohl es mich einmal abgeworfen hat) – ein wirklich empfehlenswerter Spaß für Jedermann, der Lust hat die Wälder spielerisch zu erkunden. Die Wege und Trails sind frei wählbar – von einfach bis technisch anspruchsvoll ist alles dabei. Mein Tipp: Überschätzt euch nicht. Sonst ergeht es euch möglicherweise so wie mir und das Resultat ist eine kaputte Kapsel am Fingergelenk (… etwas Schwund ist immer).  Für alle die sich trotzdem trauen und eine gewisse Gier nach Tempo in sich spüren: Hier erfahrt ihr mehr.

Danke Camille für den lustigen Ausritt!

La forêt en B O U R G O G N E - F R A N C H E - C O M T É
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#3: Morvan mit dem Kanu entdecken

Am Lac des Settons trafen wir Mathieu. Er ist leidenschaftlicher Kanute und hat sein Hobby in der Region Morvan zum Beruf gemacht. Obwohl wir bei früheren Reisen schon den ein oder anderen Trip mit einem Kanadier gemacht haben, lernten wir an diesem Nachmittag sehr viel Neues: Wo entwickelt das Paddel die beste Wirkung? Wie arbeiten wir optimal und kraftsparend zusammen (und nicht gegeneinander)? Wie kann der Vordermann steuern, wenn der Hintermann permanent Fotos macht? Wie steigt man trockenen Fußes ein und aus? Wo entdeckt man welche Tiere? Und und und…

Mathieu gehört übrigens zu den wenigen Menschen, die sich über starke Regenfälle freuen. Je heftiger der Niederschlag, desto größer die Möglichkeiten mit dem Kanu spannende Dinge zu machen. Manch ein Fluss in Frankreich kann zum Beispiel nur bei Hochwasser befahren werden und andere Gewässer entfalten bei hohem Wasserstand erst die gewünschte Power fürs Wildwasser-Fahren.

Vor drei Jahren ist er in die Region gezogen und fühlt sich sichtbar wohl. „Hier hat man alles was das Paddler Herz begehrt“. Recht hat er!

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Wenn wir Mathieu nicht mit Fragen löcherten, genossen wir das ruhige Dahingleiten auf dem klaren See. So ein Vormittag auf dem Wasser ist doch deutlich schöner als am Rechner im Büro. Und ein wenig sportlich ist es natürlich auch.

 

#4: Nach oben arbeiten

Kaum zurück an Land erwartete uns bereits die nächste sportliche Herausforderung. Unsere wohlverdiente Stärkung – ein Picknick Korb mit Saft, frisch gebackenem Kuchen und diversen anderen lokalen Leckereien – hing schlappe 15 Meter über uns in einem Baum. Eine Leiter gab es nicht. Natürlich nicht. Dafür jedoch zwei Seile und diverse Karabiner die von hoch oben herab baumelten …

Meine Höhenangst ist kein Geheimnis, darum überließ ich Katharina gerne der Vortritt. Eigentlich eher ein „Vorzug“ als Vortritt, denn jeder Höhenmeter musste sie sich mit einer Kombination aus Hochziehen mit Kraft aus den Armen und Abdrücken mit einem Bein in einer Fußschlaufe erarbeitet werden. Oben angekommen durfte sie dafür dann in einer Art Hängematte verschnaufen und mir bei einem Gläschen Apfelsaft genüsslich beim Aufstieg zuschauen. Baumkletterin Agathe, die das Baumwipfel-Abenteuer in den Wäldern von Morvan anbietet, leistete ihr dabei Gesellschaft.

Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs
Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs

Das besondere an dieser Art des Klettergartens: Nichts wird fest installiert, eingehakt oder verschraubt. Der Aufbau kann also beliebig oft den Standort wechseln – ohne, dass die Bäume bleibende Schäden davontragen. Ein tolles Konzept, wie wir finden.

#5: Mit dem E-Bike offroad über Stock und Stein

Im Morvan ging es dann auch noch einmal auf zwei Rädern durch den Wald. Dass man mit einem Mountainbike nicht immer auf befestigten Wegen bleiben muss, war mir durchaus bewusst. Was wir an diesem Nachmittag für Gelände befahren würden, hätte ich allerdings bis dato nicht für möglich gehalten. Ging es zunächst noch auf klassischen Forstwegen bergauf und bergab, wechselten wir dann jedoch auf schmale Singletrails, bis wir irgendwann nur noch durch unverspurtes Grün düsten. Ob morsche Äste, bemooste Steine, Pfützen, Schlammlöcher – die Devise hieß stets nur „einfach weitertrampeln“. Egal wie steil es war. Wichtig dabei war nur, stets vorrausschauend die sensible Schaltung zu bedienen. Wer das beherzigt, kommt mit den ultramodernen E-Mountainbikes von Seb Oppin überall durch.

Ich war begeistert. Sowohl von den Rädern als auch von der Vielseitigkeit der Landschaft im Department Bourgogne-Franche-Comté. Beeindrucken, wieviel man dank elektrischer Unterstützung in kurzer Zeit erkunden kann.

Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs
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Zugegeben, mein Französisch ist wirklich bescheiden. Gut, dass Sebastian und ich uns auch ohne große Worte gut verstanden. Er heizte vor, ich versuchte dran zu bleiben (und den Sturz in den Wäldern der Ardennen zu verdrängen). Wir grinsten, lachten, gestikulierten und schafften es mit einem Kauderwelsch aus Englisch und Französisch uns zu verständigen, zuckten mit den Achseln, wenn der andere versuchte etwas zu erklären, lachten erneut und radelten weiter. Bei einem gemeinsamen Hobby braucht es keine großen Worte. Und ein Bierchen nach getaner Arbeit schmeckt auch mit Sprachbarriere.
Danke Seb für diese großartige Ausfahrt!

les animaux de L O I R E
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#6: Durch den Wald auf 4 Reifen und 36 Pfoten

Man muss ja nicht immer selbst die Arbeit machen. Erst recht nicht, wenn es andere gibt, die sich geradezu darum reißen, mal wieder richtig Gas zu geben und zu rennen was das Zeug hält.

In Kanada sind wir bereits einmal in den Genuss gekommen von Huskys gezogen die Landschaft zu erkunden. Wie das ganze auch ohne Schnee funktioniert, erlebten wir in den Wäldern des Departments Loire (ja, es gibt dort mehr als „nur“ Schlösser und Wein).

Was es braucht, um mit Huskys im Sommer unterwegs zu sein: eine Art Buggy mit fetten Reifen und Recaro Sportsitzen. Hinter uns stand Gott sei Dank noch ein Musher, der den bellenden Zugpferden Kommandos erteilt, steuerte, bei Bedarf bremste oder die Tierchen ermutigte weiter zu rennen anstatt in den Bach zu springen und zu saufen. Wir saßen komfortabel und mussten nichts weiter tun als uns ab und an Haarbüschel, Steine und Schlamm aus dem Gesicht zu wischen – also alles recht entspannt.

Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs
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Nach der 3 km-Runde waren die Hunde sichtlich froh, zurück am Ausgangsort anzukommen. Die Zungen hingen deutlich weiter aus den Mäulern und Wasser plus Futter wurde gierig weggeatmet. Kuscheltiere sind diese Zugmaschinen nun wirklich nicht. Dafür steckt scheinbar noch zu viel Wolfsblut in ihnen.

Wer an solch einem animalischen Ausflug namens Kani Kart interessiert ist – hier erfahrt ihr mehr: www.dubost-nature.com

 

# 7: Fest zugreifen

Ihr seid nicht so die Hunde-Menschen? Dann ist vielleicht ein Besuch bei Stéphane Meyer und die Volerie du Forez das Richtige. Stephane ist ein junger Typ, der sich nach diversen artistischen Jahren im Zirkus in die Arbeit mit Greifvögeln verguckt hat. In seiner Voliere, gelegen in einer Burg oberhalb von Marcilly-le-Châtel päppelt er ausgestoßene und kranke Vögel wieder auf. Oder wie er es ausdrückt: „Freaks, die keiner mehr haben will“.  Bei unserem Besuch lauschten wir gespannt seinen Geschichten über entflogene Falken, die 5.000 km entfernt eingesammelt wurden, über die Trägheit von Steinadler Hans und über Papageien, die mit Sittichen flirten.

Wie es sich anfühlt einen solchen Freak mit riesigen Klauen auf dem Arm zu halten? Am besten selbst einmal ausprobieren…

Wild, wild „Est“ – tief in den Wäldern Frankreichs
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Da will man wohl eher kein Beutetier sein! Und auch mit den Jungs, die zur Fütterung in die Käfige müssen und dabei von den Tierchen zuweilen heftig attackiert, gekratzt und gepickt werden, möchte ich nicht tauschen. Faszinierend und schön, dass es Menschen wie Stephane gibt, die ihr Leben ganz ihren gefiederten Freunden widmen.

Nach diesem letzten Abstecher ging es für uns weiter in Richtung Süden. Mal schauen welche Abenteuer und sportiven Begegnungen uns sonst noch in Frankreich erwarten. Stay tunded et au revoir!

Dieser Artikel ist Teil einer Kooperation mit dem französischen Tourismusverband und lokalen Partnern im Rahmen der Kampagne #GesichterFrankreichs. Er spiegelt ausschließlich die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen der Autoren wieder. Mehr Informationen unter: https://de.france.fr/de/kampagne/frankreichaktiv-unterwegs-mit-locals

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