Wilder Kaiser, Österreich – Gastbeitrag 

Mit dem Flixbus nach Ki-West

4. März 2018

Es ist Freitag gegen 16 Uhr – als mein Telefon klingelt. Freund Henryk ist dran und fragt, was ich dieses Wochenende so vorhabe. „Mmmh“, antworte ich, „nichts Spezielles. Ein wenig ausspannen und eventuell ins Berghain gehen – und selbst?“ „Lust auf einen spontanen Trip in den Schnee“, fragt er. „Heute Abend geht’s los.“

Ernsthaft?

Nur sechs Stunden später treffen wir uns am Fernbus Bahnhof in Berlin. Spontan Skifahren – eigentlich nicht das, was man als Berliner an einem Freitagabend anstellt, aber warum nicht? Manche Gelegenheiten kommen nur einmal im Leben und auch mit 30+ kann man noch spontan sein.

Zugegeben, mit dem Bus bin ich schon viele Jahre nicht mehr in den Winterurlaub gefahren, aber hey, warum eigentlich nicht? Urlaub beginnt schließlich schon mit der Anreise und so sitzen wir nun mit einem Bierchen in der Hand im Flixbus, freuen uns darüber, dass keiner fahren muss, schnacken, scherzen und schlummern doch recht schnell voller Vorfreude weg – um ein paar Stunden später kurz vor dem Ziel wieder wach zu werden.

Der Morgen bringt gleich die nächste Überraschung: Dicke Schneeflocken rieseln im Raum München zu Boden. Yes. Wir nähern uns den Alpen, wir nähern uns Tirol.

So unsexy die Anreise erst einmal erscheinen mag, so überzeugt sind wir im Nachhinein. Klar, eine Nacht im Bus ist kein Wellnesshotel, aber ich würde sagen, die Zeit haben wir schlafend recht gut genutzt und im Vergleich zu anderen Transportmitteln ist der Flixbus wirklich für einen schmalen Taler zu bekommen. Was ist die Alternative? Die Nacht selbst durchzufahren macht wirklich keinen Spaß und mit dem Flieger geht es auch nur bis München oder Innsbruck. Dann weiter mit dem Mietwagen? Eher suboptimal…

Mit dem Flixbus nach Ki-West

Ja Servus!

Raus aus dem Bus und rauf auf die Piste – so oder so ähnlich kann man sich das tatsächlich vorstellen, denn wir wollen ja die maximale Pistenzeit aus unserem Kurztrip rausholen. Die Skiwelt Wilder Kaiser empfängt uns zwar mit einem eher trüben, verschneiten und nebligen Tag, aber uns macht das gar nichts – im Gegenteil. Im Grunde ist es perfekt, um die müden Knochen nicht gleich zu überfordern. Über den Wolken ist die Sicht besser als gedacht. Und für den ersten halben Tag und zum Reinkommen langt’s auf alle Fälle.

Mit dem Flixbus nach Ki-West

Tiroler Herzlichkeit

Unsere Basis für die nächsten Tage ist das Örtchen Ellmau. Ich kannte zwar von Henryk die Eckdaten unserer Herberge („Wir übernachten im Hotel Hochfilzer, Doppelzimmer mit Halbpension, schöne vier Sterne und einem Wellnessbereich mit coolem Panorama-Jacuzzi…“) – doch von einem Himmelbett hatte er mir nichts erzählt!

Ein Himmelbett! Mit Spiegel an der der Decke. Habe ich da etwas verpasst? Was soll’s, mit guten Freunden teilt man sich doch gern ein Bettchen: „Bleib bloß auf deiner Seite Kollege! “ „Ruhe da drüben, und wehe Du schnarchst!“

Mit dem Flixbus nach Ki-West

Termine am Berg

Ja, eigentlich verspricht das Konzept „Out of Office“ Tage ohne Meetings und Termine, doch an diesem Tag haben wir tatsächlich einen. Einen sehr angenehmen muss ich gestehen. Pünktlich um neun treffen wir uns mit Aaaaaanita an der Talstation der Gondel. Die Marketingleitung der Skiwelt hat sich heute den ganzen Tag Zeit genommen, um uns möglichst viel von der zauberhaften Bergwelt zu zeigen.

Ich war von mir selbst überrascht, was einem alles für Fragen einfallen, wenn man einen kompetenten Guide an seiner Seite hat und man nicht nur stoisch bergauf-bergab fährt. Neben den ganzen kleinen Details, Zahlen, Daten, Fakten und der ein oder anderen lustigen Anekdote hat mich persönlich am meisten beeindruckt, dass die Skiwelt Wilder Kaiser einen wirklich grünen Stempel trägt. So wurde im Rahmen der „World Snow Awards 2017“ die Skiwelt Wilder Kaiser als „Ecological Ski Resort of the Year“ prämiert. Alle Baumaßnahmen wurden unter nachhaltigen Aspekten durchgeführt und von Fachleuten begleitet, alle Lifte kommen zu 100% mit erneuerbaren Energien aus und teilweise werden diese sogar gänzlich mit eigenem Solarstrom betrieben. Ein beeindruckendes Detail ist zudem das GPS-gesteuerte Pistenmanagement, welches erlaubt, die Pisten punktgenau zu präparieren. So wird nirgends zu viel oder zu wenig beschneit und man spart bis zu 20 Prozent an Energie.

Die wenigsten Touristen denken beim Skifahren wohl an ihren ökologischen Fußabdruck, doch hier kann man sich scheinbar mit ruhigem Gewissen zurücklehnen. Und wir sind auch noch mit dem Bus angereist – besser geht es ja wohl nicht!

Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West

Dass die Skiwelt Wilder Kaiser wirklich weitläufig ist, hatten wir bereits gestern Nachmittag gemerkt. Da hieß es plötzlich „Oh krass, hier sind wir. Ähhh, ich glaube wir müssen schleunigst zurück…“ Mit Anita an unserer Seite passiert und so etwas heute natürlich nicht. Wir schaffen es sogar bis nach Ki-West, dem letzten Zipfel vor dem Skigebiet von Kitzbühel. Wir lernen lustige Tiroler Begriffe, machen Pistenkilometer um Pistenkilometer und haben einen wunderbaren Skitag – trotz beeinträchtigter Sicht. Aaaaaanita lässt natürlich auch kulinarisch nichts anbrennen und versorgt uns gebührend mit köstlichen Schmankerln aus der urigen Hüttenwelt Tirols. G´mütlichkeit wird hier also offenbar auch großgeschrieben.

Nachmittags zeigt sich der Wettergott endlich gnädig und gibt den Blick auf den Wilden Kaiser und die umliegenden Gipfel frei. Da kann selbst die „Panorama Bar“ im Berghain nicht mithalten. Nur die Täler bleiben schüchtern bedeckt und zieren sich unter einer keuschen Nebeldecke.

Mit dem Flixbus nach Ki-West

Ach so sieht das hier aus!

Als wir Montag früh aus unserem Himmelbett kriechen, steht – zumindest mir – der letzte Pistentag bevor. Als ich aus dem Fenster luge, macht der wilde Kaiser seinem Namen alle Ehre: Oooyeah… Kaiserwetter!

So schnell können wir gar nicht gucken, schon sind wir auf der Piste und genießen einen großartigen Skitag mit allem was dazu gehört.

Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West

Zum Glück sind die Pisten gut gespurt und perfekt präpariert, sonst hätten wir wohl nach dem fabulösen Knödeltrio in Butter zu Mittag das ein oder andere Schneebrett losgetreten. Aber wir kommen heil vom Berg und sind nach etlichen Pistenkilometern, die hier wahrlich zahlreich gesät sind, schön müde und kaputt.

Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West
Mit dem Flixbus nach Ki-West

Was soll ich sagen. So ein spontaner Trip in die Berge ist schon eine feine Sache und an ein Leben Out Of Office könnte ich mich durchaus gewöhnen – besonders an einem Ort wie diesem bei Sonne auf der Panorama-Terrasse. Mal schauen, wann Henryk das nächste Mal zu einem Microadventure aufruft? Ich bin dabei und wegen mir darf es auch gern wieder nach Tirol gehen…

 

Mit dem Flixbus nach Ki-West

Wir bedanken uns bei Holger für die spontane Begleitung, die vielen lustigen Momente vor Ort und die Bereitschaft, an dieser Stelle einen Beitrag zum Nachlesen zu leisten. Wenn Ihr nun auch Lust auf ein spontanes Winterabenteuer bekommen habt: Hier geht es mit dem Flixbus in den Skiurlaub.

Hinweis: Dieser Artikel beruht auf einer Einladung durch den lokalen Tourismusverband. Er spiegelt aber uneingeschränkt die Meinung der Autoren wieder.

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